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Kolonialgeschichte / von Dietrich Schäfer
Entstehung
Seite
39
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Skandinavier nnd Italiener. Nationalitätenkämpfe. Z9

Ohne die mittelalterliche Kolonisation hätte unser Volk nie das werden können, was es zu Luthers Zeiten war. Die in den Kolonisationsgebieten mögliche stärkere Ent­wickelung fürstlicher Macht hat sie auch zur Wiege der deutschen Großmächte gemacht. Österreich und Preußen sind auf Kolonialboden erwachsen.

19. Skandinavier und Italiener. Nationalitätenkämpfe.

Den stammverwandten Skandinaviern ist eine ähnliche Bewegung nicht ganz fremd geblieben. Sie haben eine späte, aber glorreiche Völkerwanderung erlebt, die ein­setzte, als die ihrer südlichen Stammesgenossen schon längst in dauernder Seßhaftigkeit ihr Ende gefunden hatte. Sie faßten Fuß an den Küsten des fränkischen Reiches und auf den britischen Inseln, zu vorüber­gehendem oder dauerndem Besitz. Island und die Faröer, die Hebriden, Shetlands- und Orkney-Jnseln wurden ihnen eigen. Dem russischen Volke gaben sie ein Herrscher­geschlecht und den Namen. Auf zwei Wegen, durch Ruß­land und durch die Straße von Gibraltar, wußten sie Konstantinopel zu finden. An Frankreichs Nordküste wurden sie Urheber eines selbständigen Staatswesens und entwickelten dort den Geist, aus dem mittelalterliches Ritterleben geboren ist. Sie unterwarfen von dort aus das angelsächsische Königreich, französierten es auf Jahr­hunderte, nachdem sie schon zuvor, ebenfalls von der Normandie aus, in Unteritalien Fuß gefaßt hatten, um dann als Waffenträger des Papstes dem Vordringen des römisch-deutschen Kaisertums Halt zu gebieten. So griffen sie bedeutungsvoll ein in den Gang der Weltgeschichte und ließen, völlig ebenbürtige Genossen ihrer südlichen Volksverwandten, an mehr als einem Punkte tiefe Spuren