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Das Altertum.
wurde zu einer umfassenden Ausdehnung des römischen Bürgerrechts durch Aufnahme der Treugebliebeuen und der sich Unterwerfenden und zur Verleihung des lati- nischen Bürgerrechts an die transpadanischen Gallier. Die schweren Kriege dieser Zeit machten das Bedürfnis nach Land für die Veteranen unabweisbar. Die Austeilung des karthagischen Gebiets an Soldaten ward schon 103 wieder aufgenommen. Sulla verteilte nach dem Siege über seine Gegner nicht weniger als 120000 Landlose. Immer klarer kam der Gedanke zum Durchbruch, daß es unumgänglich sei, die unterworfenen Gebiete, „so weit hellenisch, zu reunieren, so weit nicht hellenisch, zu kolonisieren". Der hellenischen Zivilisation konnte man unbedenklich dieses Zugeständnis machen, da sie politisch nicht mehr gefährlich werden konnte.
12. Cäsar und das Kaisertum.
Julius Cäsar hat den Gedanken zu vollem Siege geführt. Die Eroberung Galliens sollte eine Flanken- stellung gegen Germanien sichern, zugleich aber den roma- nisierten Italienern eine neue Heimat schaffen. Zu den vereinzelten Militärkolonien, die schon bestanden, und den zahlreichen freiwilligen Auswanderern, die zwischen Alpen und Pyrenäen zu verschiedenen Betrieben sich niedergelassen hatten, traten eine Reihe nener Gründungen im Süden und tiefer im Lande. Die systematische Romani- sierung Galliens begann. Auch in anderen Provinzen hat Cäsar die gleiche Politik verfolgt; er hat in den wenigen Jahren seiner Alleinherrschaft 80000 italische Kolonisten übers Meer geführt.
Die von ihm betretene Bahn ist nicht wieder verlassen worden. Ein Jahr nach Cäsars Tode ward Lug- dunum (Lyon) als römische Bürgerkolonie gegründet und