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Kolonialgeschichte / von Dietrich Schäfer
Entstehung
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Die Römer. Allgemeines. 21

Zusammenhang mit dem Gesamtvolk erhielt sich trotzdem. So fand Alexander eine griechische Welt, eine griechische Kultur, die er durch seine Siege zur Herrscherin Vorder- asiens machen konnte. In den letzten vorchristlichen Jahrhunderten und durch die ganze Zeit der römischen Herrschaft ward die griechische Sprache gebraucht oder allgemein verstanden von Unteritalien bis zum Euphrat und Tigris. Noch heute sind diese Gebiete mit Trägern der griechischen Sprache und des griechischen Volkstums übersäet, weit über die Grenze des gegenwärtigen griechischen Königreichs hinaus. Diese Geltung durch Jahrtausende verdankt das Griechentum ausschließlich der kolonisatorischen Tätigkeit seiner Anfänge, die zentrale, die grundlegende Bedeutung seiner Kultur für die gesamte abendländische Bildung aber dieser seiner Lebensäußerung mehr als jeder andern.

9. Die Römer. Allgemeines.

Die engen Beziehungen, die zwischen geschichtlicher Entwickelung und kolonisatorischer Tätigkeit bestehen, treten besonders deutlich zu Tage in der Tatsache, daß römische und griechische Arbeit auf diesem Gebiete die gleichen Unterschiede zeigen wie das Emporsteigen der beiden Völker zu Macht, Geltung und Herrschaft über­haupt. Auf der einen Seite starre, geschlossene Einheit­lichkeit, auf der andern bunteste, regellose Mannigfaltigkeit. Während das griechische Volk politisch nie und nirgends in seiner Gesamtheit auftritt, kennt das römische vom Anbeginn bis zum Untergänge nur ein Staatswesen; der Gedanke der Einheit wird unentwegt aufrecht erhalten, auch wenn die tatsächliche Gestaltung ihm nicht entspricht, hat sogar den Bestand lange überdauert. In seinen Dienst wird alles gestellt, selbstverständlich auch die Kolonisation, die