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Verhandlungen zwischen England und Holland.
Viertes Kapitel.
Verlegenheiten Hollands in Indien.
Der von beiden Seiten bald ratifizierte Vertrag wurde in Holland als im ganzen nicht unvorteilhaft angesehen, da er die Insel Sumatra vollständig in holländischen Besitz brachte. In England andererseits freute man sich über den Erwerb der holländischen Besitzungen auf dem Festlande, besonders über den Verzicht auf Singapore und die Räumung Malakkas. Dazu war, wie die Dinge damals lagen, zweifellos die Einräumung der Meistbegünstigung in Indien für die das Meer beherrschenden Engländer weit vorteilhafter als für das geschwächte Holland. —
Während die Verhandlungen mit England über die Ausdehnung des Kolonialbesitzes schwebten, hatte Holland auch mit der Übernahme der nicht streitigen Kolonien allerlei Schwierigkeiten zu bestehen. Wohl hatte die englische Verwaltung hier viele Übelstände abgestellt und die Spuren der alten Mißwirtschaft größtenteils beseitigt. Dafür waren aber durch Veräußerung umfangreicher Landgebiete auch manche Einkommenquellen gesperrt, und verschiedene Maßnahmen Englands hatten die Bevölkerung unruhig gemacht. In Bantam und Tjeribon mußte man wiederholt gegen Aufrührer einschreiten. Auch in Palembang, den Lampongschen Distrikten, Banka, Riouw, Westborneo und Celebes kostete die Wiedereinrichtung der holländischen Herrschaft nicht geringe Mühe. In Borneo hatte man nicht allein mit den Eingeborenen, sondern auch den zahlreichen Chinesen zu rechnen, welche dort Goldwäschereien betrieben und lange Zeit fast unabhängig gelebt hatten. Außerdem beanspruchte in Bandjermasin der frühere englische Resident ein großes Gebiet als Privatbesitz und sträubte sich lange dagegen, hierauf zu verzichten. Auf den Molukken erregte die Wiedereinführung des Gewürzmonopols solche Aufregung unter der in der englischen Zeit teilweise christianisierten und zivilisierten Bevölkerung, daß es zu ernsten Ausschreitungen kam. Der holländische Resident wurde mit Familie und Begleitung in Saparoea ermordet, und eine von Amboina gesandte Strafexpedition wurde bis auf 33 Mann niedergemacht. Es mußte Ende 1817 eine große Macht entfaltet werden,