Teil eines Werkes 
Bd. 5 (1903) Die Kolonialpolitik der Niederländer : mit einer Karte in Farbendruck / von Alfred Zimmermann
Entstehung
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Anordnung in der Kolonie.

der Zivilgerichtsbarkeit und eines Kollegs für Bagatellsachen. Dann besserte er die Befestigungen, suchte den Plantagenbau zu heben und dergl. mehr. Noch war er nicht zwei Monate im Lande, da griff ein französisches Geschwader die Kolonie an. Es glückte ihm mit Hilfe der Bürger das Fort zu halten und den Überfall abzuschlagen. Wenn er trotz aller Tüchtigkeit nicht die nötige Einigkeit im Innern herzustellen vermochte, lag das vor allem an Streitigkeiten, in die er mit den jüdischen Kolonisten geriet. Sie führten dazu, daß Scharphuisen 1696 seinen Abschied erbat. Ein gewisser Paulus van der Been wurde sein Nachfolger, der bis 170? in Surinam gewaltet hat.

Zweites Kapitel.

Des Gouverneur Mauricius wirken.

Zum ersten Male begannen damals ruhige Zeiten für die Kolonie. Die Zuckerpflanzungen nahmen damit großen Aufschwung, und das Land begann aufzublühen. Der beginnende Wohlstand reizte die Begehrlichkeit der in der Nachbarschaft hausenden Fran­zosen. Gelegentlich eines Kriegs überfiel daher der Freibeuter Jacques Cassard 1712 die Kolonie.*). Nachdem ein erster Angriff abgeschlagen war, erneuerte er ihn mit acht großen, 30 kleinen Schiffen und 3000 Mann. Diesmal gelang es ihm, verschiedene Plantagen zu besetzen und den Fluß in seine Gewalt zu bekommen. Die Kolonisten mußten sich herbeilassen, eine Brandschatzung von 682 800 st. in Zucker, Sklaven, Waren und Wechseln zu zahlen. Der Feind räumte darauf zwar wieder die Kolonie, aber die Wunden, die er ihr geschlagen, machten sich schwer und noch lange fühlbar. Es entstand Zwiespalt unter den Kolonisten und zwischen ihnen und der Sozietät über die Höhe der Anteile an der Brandschatzung. Man beklagte sich bei den Generalstaaten über die ungenügenden Vorkehrungen zum Schutz und zur Verteidigung der Kolonie, die nicht

*) Essequibo wurde 1708 und 1709 wiederholt von französischen Kapern gebrandschatzt.