Veränderte Lage der Kompagnie.
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Achtes Kapitel, verfall der ostindischen Kompagnie.
Die großen Gebietserwerbungen in Indien während des 18. Jahrhunderts haben der Kompagnie einen völlig veränderten Charakter gegeben. Notgedrungen traten die Handelsinteressen vor den Regierungssorgen zurück, und die fast ausschließlich aus dem Handel fließenden Gewinne sanken immer bedenklicher. Man empfand das sehr unangenehm, sowohl bei der Verteilung der Dividenden als gegenüber den Ansprüchen des Staats, die mit dem Niedergang der Macht Hollands fortgesetzt stiegen. Hatte die Kompagnie Ende des 17. Jahrhunderts die Verlängerung des Privilegs von 1700 bis 1740 noch für drei Millionen Gulden erlangt, so konnte sie 1743 nach langen Verhandlungen nur eine Verlängerung auf 12 Jahre gegen 3 pCt. Abgabe von ihren Dividenden durchsetzen. 1747 mußte sie sich nach längerem Sträuben gefallen lassen, daß eine von Prinz Willem IV. in Holland erhobene Einkommensteuer auch ihren Besitzungen auferlegt wurde. Allerdings sind dabei nur 1081000 fl. aufgebracht worden. Dafür, daß die Kompagnie damals in Anbetracht von Pulvermangel dem Staat ihren gesamten Salpetervorrat überließ, setzte sie erst eine Verlängerung ihres Privilegs bis Ende 1774 durch. Sie zahlte als Entschädigung an den Staat 1 200 000 fl. Der größere Teil der Summe wurde als durch Salpeterlieferung gedeckt betrachtet. Prinz Willem IV. wurde damals aus Dankbarkeit von der Kompagnie zum Oberbewindhebber und Gouverneur-Generaal gewählt.
Abgesehen von den erwähnten Leistungen, hatte die Kompagnie Zölle für ihre ein- und ausgeführten Güter zu zahlen, und seit l716 wurden von den Aktien Abgaben erhoben. Nichtsdestoweniger wurde nie unter 12*/s pCt. Dividende ausgeteilt, und der Kurs der Aktien stand immer recht gut. Zur Zeit des Südseeschwindels 1719 und 1720 wurden sie bis zu 1200 pCt. gehandelt.
Die Art des Geschäftsbetriebes der Kompagnie war im 18. Jahrhundert noch ziemlich dieselbe wie zuvor. Jede Kammer rüstete ihre eigenen Schisse aus und empfing ihre Heimfracht.