24 Das Deutschtum in d. v. neuen Reich getrennten ehemalig. Reichslanden
der Schweizer Jndustrieausfuhr ist gleichfalls auf die Wasserstraße des Rheins angewiesen. Das läßt schon der Standort der wichtigsten Jn- dustrieplätze des Landes erkennen. Sie liegen in den dem Reich zugekehrten Kantonen: Basel, Zürich, Luzern und St. Gallen. Es ist also nicht nur der Hauptteil der Schweiz geistig eine „deutsche Provinz". Die Schweiz ist auch verkehrspolitisch deutsches Hinterland. Und endlich kommt noch ein anderes in Betracht. Die Schweiz hat einen hochentwickelten Fremdenverkehr. Eine halbe Million Fremder besuchen jährlich die Schweiz. Sie lassen nach neueren Berechnungen dort annähernd eine Viertelmilliarde Mark. Die Reichsdeutschen stellen den stärksten Bruchteil der Besucher. Die deutschen Gäste können ein gut Teil zur Geltendmachung der deutschen Sprache in der Schweiz beitragen. Sie brauchen nur Deutsch zu reden und zu fordern, daß im Verkehr mit ihnen die deutsche Sprache gebraucht werde. Was der Engländer überall in der Welt hinsichtlich seiner Sprache für selbstverständlich hält, das könnte der Deutsche mindestens auf deutschem Sprachgebiet für zulässig erachten. Er hülfe damit den deutschen Besitzstand wahren. Und Deutsch zureden wird in einem sprachlich umstrittenen Gebiet für den Deutschen zur Pflicht.
Die deutsche Frage in Österreich. Die Habsburgische Monarchie ist als die starke deutsche Vormacht gen Südosten erwachsen. Es war letzten Endes ein Sieg der kulturellen und militärischen Überlegenheit des Deutschtums. Deutsch-Österreich, das im Bereich des osteuropäischen Völkergewirrs als die am festesten gefügte Macht sich erwies, errang dort das entscheidende Übergewicht. Darauf beruht Österreichs Ansehen in der Welt. Nach dieser Richtung liegt seine große geschichtliche Sendung. Mit einem Ruck ist dieses Österreich, das ganz in inneren Wirren sich zu verzehren schien, das beinahe als Großmacht nicht mehr mitzählte, wieder in die Reihe der großen bestimmenden Mächte eingerückt, seit Aehrenthal den mutigen Vorstoß auf dem Balkan wagte. Unbestritten und unbestreitbar hatte bei der ganzen geschichtlichen Entwicklung Österreichs das Deutschtum die Führung. Der Kern Österreichs ist in der Ostmark Karls des Großen zu suchen; auf dem Boden der mittelalterlichen deutschen Kolonisation ist Österreich erstarkt. Allerdings war die Eindeutschung'selbst in den zum alten Deutschen Reich gehörigen österreichischen Kronlanden nicht gleichmäßig durchgeführt. Aber die Fremdsprachigen bildeten lange Zeit überall die Niederung der Bevölkerung. Den Habsburgern, die in Kärnten und Tirol, in Böhmen,