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Das Deutschtum im Ausland vor dem Weltkrieg / von Robert Hoeniger
Entstehung
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16 Das Deutschtum in d. v. neuen Reich getrennten ehemalig. Reichslanden

Herrschaft gekommen. In dem krausen politischen Gewirr und unter der Einwirkung der französisch gesinnten oberen Schichten ist jedes tiefere deutsche Empfinden dort stark zurückgetreten. Seit 1815 war Luxem­burg dem Deutschen Bunde angegliedert. Nach dessen Auflösung wurde Luxemburg ein selbständiger Kleinstaat. Luxemburg ist dabei im deut­schen Zollverband verblieben und die Eisenbahnen stehen unter deut­scher Verwaltung. Auch der großherzogliche Hof war unter dem letzten Fürsten, der freilich infolge schweren körperlichen Leidens wenig her­vortrat, ausgesprochen deutsch. Aber die Staatssprache ist wie in Bel­gien französisch. Die Schule ist nur aus der Unterstufe deutsch, weil die Masse der Bevölkerung keine andere Sprache spricht. Aller höhere Unterricht ist durchweg zweisprachig. Das Französische wurde bislang sichtlich bevorzugt. Diesen Luxemburger Deutschen schien jedes Verlangen nach einem festen Kulturzusammenhang mit dem deutschen Muttervolke abzugehen. Noch vor kurzem hat man sie als einentoten Posten im Buche des Deutschtums" bezeichnet.

In jüngster Zeit hat sich in dieser Beziehung doch manches geändert. Es ist die Wirkung der Zollunion und der reichsdeutschen Verfügung über die wichtigsten Eisenbahnlinien, die auf die Dauer nicht ausbleiben konnte. Der weit überragende wirtschaftliche Einfluß des Deutschen Reiches m acht sich immer nachdrücklicher fühlbar. Reichsdeutsche Waren beh errschen den Markt vollständig. Auch in der Industrie Luxemburgs, deren Schwer­gewicht im Bergbau liegt, hat das deutsche Element die Vorherrschaft an sich gebracht. Deutsches Kapital und deutsche Unternehmerkraft geben dem Ländchen Verkehr und Leben. Frankreich ist wirtschaftlich ausgeschaltet. Französische Blätter erklären, daß in Luxemburg für die Franzosen nichts mehr zu holen ist. Am erfreulichsten ist die Tatsache, daß die junge Intelligenz, die früher den Abschluß ihrer Studien ausschließlich in Frankreich suchte, in steigender Zahl den reichsdeutschen Hochschulen sich zuwendet. Man schätzt den Wert der deutschen Bildung und Wissen­schaft allmählich richtiger ein. Auch die deutsche Kunst, namentlich die deutsche Musik, dringt siegreich im Lande vor. Sämtliche Zeitungen erscheinen in deutscher Sprache. Deutsche Arbeit und deutscher Geist haben sich in Luxemburg einen Platz erobert, und wir dürfen nachgerade hoffen, daß auch die Bevölkerung wieder zu deutschem Leben erweckt wird.

Die Schweiz. Die Eidgenossenschaft, eine Sonderbildung, wie es deren so viele auf deutschem Boden gab, hat genau wie die Nieder-