Erfolge der Franzosen in Indien.
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Achtes Kapitel.
Frankreich gewinnt das Uebergewicht in Südindien.
Mit dieser Ruhe war es vorbei, als 1745 der neue Krieg mit Frankreich ausbrach. Die französische ostindische Kompagnie, welche seit beinahe 100 Jahren in Indien einige Niederlassungen besaß, und um jene Zeit in Pondichery, Mahs bei Tellichery, Chander- nagor am Hughly und in Karikal (Coromandelküste) Faktoreien unterhielt, hatte 1741 einen großen Erfolg errungen. Der Gouverneur von Pondichery, Dumas, erhielt nämlich vom Nabob von Arcot zum Dank für den Schutz, den er seiner Familie gegen die Mahratten gewährt hatte, ein großes Gebiet und vom Mogul den Rang eines Nabob und andere Auszeichnungen. Gleichzeitig war es Dupleix, dem Direktor der französischen Kompagnie in Chander- nagor, gelungen, diesen Ort zu einem wichtigen Handelsplatz empor- zubringen. Die Gesellschaft erzielte immer größere Einnahmen und konnte sich der Hoffnung hingeben, allmählich eine der englischen ebenbürtige Stellung in Indien zu erringen. Manche ihrer Beamten, wie besonders Labourdonnais, der tüchtige Gouverneur der InselnJsle de France und Bourbon, schwangen sich damals sogar zu dem Gedanken auf, daß es möglich sein würde, bei energischem Handeln die englische Herrschaft in den indischen Meeren überhaupt zu brechen. Schon 1741 erklärte er sich dem Ministerium gegenüber bereit, im Falle eines Krieges mit England unverzüglich über des Letzteren Besitzungen in Indien herzufallen.
Als 1744 der erwartete Krieg ausbrach, hielt Labourdonnais in Jsle de France, obwohl die Gesellschaft gern Feindseligkeiten vermieden gesehen hätte, alle dort anlaufenden Schiffe der französischen Kompagnie fest und rüstete aus allen Kräften für eine Expedition nach Indien. Nur leider fehlte es ihm ebenso an Menschen wie an Vorräthen. Im Oktober 1745 wurde ihm von einer Fregatte die baldige Ankunft von 5 Handelsschiffen gemeldet. Als diese Januar 1746 eintrafen, fühlte er sich stark genug und ging sogleich daran, sie mit Geschützen auszurüsten und ihre Mannschaften einzuüben. Dann begab er sich mit seiner ganzen Macht nach Madagascar, wo er Holz und andere Vorräthe einnahm. Er hatte 9 Schiffe mit 3342 Mann unter seinem Kommando, mit denen