Print 
Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
Place and Date of Creation
Page
239
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

II. Der Bismarckarchipel und die Salomonen.

239

sichern; diese Maßregel gibt ihm die Gewähr, daß ihm die Braut nicht voll einem, der mehr bietet, abspenstig gemacht werden kann. Eine Häuptlingstochter heiratet selten im jugendlichen Alter, weil die hab­gierigen Angehörigen einen solch hohen Preis für ihre Hand fordern, daß nur wenige Männer sich zu dem Gedanken versteigen, um eine solche Schöne zu freien. Die oben erwähnte hohe Summe wurde von Takua, dem Häuptling von Mboli, für seine älteste Tochter verlangt, und der un­glückliche Freier, dessen Eitelkeit ihn zu der Torheit verführt hatte, durch seine Angehörigen um jene Jungfrau anzuhalten, mußte seinen Hochmut mit einer schweren Geldstrafe büßen, als es sich herausstellte, daß er den Brautschatz nicht aufbringen konnte. Es kommt öfters vor, daß Häupt­lingstöchter erst nach dem Tode ihres Vaters sich verheiraten; sie werden dann für wenig Geld von einem Witwer in mittleren Jahren, einem Polygamisten oder armen Schlucker übernommen, der lange Jahre hin­durch sich vergeblich nach einer Frau umgesehen hat. Ist der Preis für das Mädchen erlegt, so wird letzteres dem Freundeskreise ihres zukünftigen Gatten iu Obhut gegeben. Die Braut lebt nur bei der Schwiegermutter bis zu dem Zeitpunkte, wo es dem jungen Paare gestattet ist, seinen eigenen Haushalt zu beginnen. Kurze Zeit nach der Zahlung des Kauf­preises geben die Eltern der Braut denen, welche zum Brautschatze bei­gesteuert haben, ein Fest, bei welchem ein großer Teil des Geldes wieder darauf geht. Nachdem dann noch als Gegenleistung zu Ehren der Eltern der Braut ein Fest stattgefunden hat, gelten die Hochzeitszeremonien für beendigt. Indes sind die Freunde der jungen Frau nie von einer ge­wissen Haftpflicht und Verantwortlichkeit für deren Aufführung frei. Wenn sie sich z. B. mit ihrem Manne veruneinigt, und letzterer infolge­dessen sich weigert, das von ihr gekochte Essen anzurühren, so müssen ihre Freunde den ehelichen Frieden durch Übersendung eines Geschenkes an den ungnädigen Gatten wieder herstellen. Eine von Takuas Frauen war durch eiu unglückliches Zusammentreffen die Veranlassung gewesen, daß des Häuptlings neues Bootshaus mitsamt den darin befindlichen Kähnen bis auf den Grund niederbrannte. Die unglücklichen Freunde der Frau hatten eine große Strafsumme zu zahlen, welche Takua als Vergütung für den durch die Unvorsichtigkeit seiner Ehehälfte verursachten Schaden ein­kassierte. Dies scheint das einzige Privilegium zu sein, was die Ehe­männer auf Florida genießen, nachdem sie ihre Frauen so teuer erstanden haben.

Arbeiteranwerbungen im Bismarckarchipel.

Nachdem in Lawangai die sämtliche Kopra an Bord genommen war, fuhren wir an der Küste von Neuhannover entlang. An verschiedenen

Z Dr. Heinrich Schnee:Bilder aus der Südsee". Mit 37 Abbildungen und einer großen Karte. Eleg. gebt». 12 M. Mit gütiger Erlaubnis des Ver­lages von Dietrich Reimer (Ernst Vohsen), Berlin.