Print 
Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
Place and Date of Creation
Page
237
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

II. Der Bismarckarchipel und die Salomonen.

237

die Grenze ihrer Verbreitung kann jedoch heute in keiner Weise fest­gestellt werden. Trotz des lebhaften Handelsverkehrs ist es bis heute noch nicht gelungen, den Kanaken ein Bedürfnis anzugewöhnen, außer Tabak. Würde ihnen dieser plötzlich entrissen, so würden sie es mut­maßlich schmerzlich empfinden, am Ende aber noch etwas mehr Betel kauen und sich zufrieden geben . . . Die eisernen Beile, Lawa-Lawas, bunte Glasperlen, blaue und rote Farbe, Streichhölzer, kleine Spiegel, Messer, Mundharmonika, Draht verschiedener Gattungen und die übrigen Artikel, welche den Bestand der Warenlager im Archipel bilden, sind dem Kanaken zwar eine ganz angenehme Zugabe zum Leben, er würde sie aber kaum vermissen, wenn deren Zufuhr plötzlich aufhören sollte. Die einzigen Handelsartikel, gegen welche er die obengenannten Waren eintauscht, sind im Grunde Kopra, Schildkrötenschale und Perlmutterschale. Auch Iams und Taro sind Handelsartikel geworden, doch finden sie nur lokale Ver­wertung, zum Export nach Europa eignen sie sich nicht. Der Handel vollzieht sich in den denkbar einfachsten Formen. Die Eingeborenen kommen in ihren Kanoes zu den Stationen gerudert und bringen die reifen Kokosnüsse, von denen sie sechs bis acht Stück für eine Stange Tabak geben. Das Offnen der Nüsse und die Herstellung der Kopra, d. h. das Trocknen des Kernes, besorgt der Käufer. Zwar hat man versucht, die Eingeborenen daran zu gewöhnen, gleich den getrockneten Kern zu bringen, doch erscheint die Maßregel nicht von hervorragendem Erfolge begleitet gewesen zu sein. Als mit der Zeit sich mehrere Firmen auf den Koprahandel warfen, wurde es nötig, das Einkaufsgebiet zu er­weitern, und jede Firma legte, wo immer es angängig war, Stationen an, auf denen ein Weißer einsam unter den Kanaken saß, bei denen er die europäischen Handelswaren vertrieb. Es läßt sich denken, daß das Leben eines solchen Händlers bald auf annähernd die Stufe des Kanaken sinken mußte, lind so kam es wohl auch, daß in früheren Zeiten meist nur solche Leute sich auf Haudelsstationen begaben, die vom Leben nicht mehr viel zu erwarten hatten.

Verlobung und Eheschließung auf den Salomonsiuseln.

Wir geben die folgenden Notizen über die Eheschließung auf der zum Archipel gehörenden Floridagruppe wieder. Als vorbereitende Hand­lung geht der Verlobung eines Mädchen ihre Tätowierung voraus; denn dieser Schmuck ist die notwendige Vorbedingung, wenn sich Freier einstellen sollen. Die Operation selbst ist keine Kleinigkeit und wird von einem Manne, der dem ärztlichen Stande angehört und als Spezialist für dieses Fach gilt, ausgeübt. Er gibt vor, einen Schutzgeist (Tindalo)

Z A. Penny:Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft", Jena 1890, S. 169.