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6. Die deutschen- Schutzgebiete iu der Südsee.
lasten von einem einzelnen Weibe auf den Markt geschafft werden und welche Produktemnengc daselbst Umsatz findet. Die Weiber tragen auf deni Rücken eine Art Sack aus Geflecht von Kokospalmblättern, welcher mittels eines breiten, über die Stirn laufenden Bandes aus gleichem Material noch festeren Halt gewinnt. Diese Trage ist bis oben hin mit Taro oder Aams gefüllt; zwischen die Wurzeln und Wände der Trage sind Stäbe gesteckt, welche zum Festhalten weiterer, hineingezwängter und der ersten Ladung aufgepackter Pakete dienen. Die Trägerin ist natürlich gezwungen, krumm zu gehen, ihre Ladung hat oft einen weit größeren Umfang als ihr eigner Oberkörper; außerdem trägt sie dann noch oft ein auf ihrer Hüfte sitzendes Baby. Die zur Begleitung mitgehenden Männer tragen außer wenigen Waffen gar nichts. Sie halten sich überhaupt abseits des Weibervolkes, denn es würde eine große Außerachtsetznng der eigenen Würde sein, wollte ein Mann inmitten eines Weiberhaufens oder auch nur über einen Platz gehen, auf dem mehrere Weiber sich niedergelassen haben. Verkaufsartikel sind hauptsächlich Produkte der Landwirtschaft und Fischerei. Die Leute des Inlandes verzehren gern Fische und gebrauchen Salzwasser, um ihre Speisen zu würzen, ein Bedürfnis, das sich durchaus nicht bei allen Küstenbewohnern findet. Es gebrauchen z. B. die Bewohner der Neulanenburg-Gruppe nicht gewohnheitsmäßig Salz zu ihren Speisen. Der Unterschied erklärt sich möglicherweise so, daß in salzschwangerer Seeluft die Haut des unbekleideten Kanaken genügend Salz absorbiert, um den Organismus zu sättigen, während die rauhere und reinere Bergluft gerade das Verlangen nach Salzen im Körper wachruft und deren Zufuhr im Wege der Nahrung fördert. Die Fischer wiederum schenken vielleicht ihren Gärten weniger Aufmerksamkeit als die Leute im Innern und sind daher genötigt, letzteren ihre Taro und Uams abzukaufen; sie bringen dafür Fische und Salzwasser auf den Markt, letzteres in den uns schon bekannten Eimern aus Bambus.
Europäische Industrie-Erzeugnisse. *)
Abgesehen von den eigenen Naturprodukten kommen indessen auch die Jndustrieerzeugnisse Europas auf die Märkte. Bunte Taschentücher, sogenannte Lawa-Lawas,^) Tabak, Streichhölzer usw. Diese Sachen werden natürlich von den Küstenleuten gebraucht, die sie von den europäischen Händlern erworben haben. Zwar werden sie in nur geringeren Mengen hier feilgeboten, aber mit großem Verdienst verkauft. Man darf annehmen, daß auf diese Weise die Erzeugnisse unserer Industrie sich schon bis auf ziemliche Entfernung in das Innere den Weg gebahnt haben,
Joachim Gras Pfeil: „Studien und Beobachtungen aus der Südsee", S. 120.
2) d. s. Hüfttücher.