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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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II. Der Bismarckarchipel und die Salomonen.

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cher zur Fernhaltung der Konkurrenz in aller Stille arbeiten muß. Ehe die Verhältnisse auf dieser Gruppe, wie auf der großen Nachbariusel Neubritannien, den jetzigen verhältnismäßig geordneten Stand erreichen konnten, ist allerdings manches Blut geflossen. Die hiesigen Handels­agenten sind keine schmächtigen Jünglinge, welche den ganzen Tag hinter dem Schreibtisch sitzen, sondern wetterfeste und verwegene Männer, die zum größten Teile aus dem Seemannsstande hervorgegangen, besser mit dem Revolver und dem Messer, als mit der Feder umzugehen wissen Leute, die selten im Hause sind und auf beschwerlicher Reise von einem Platz zum andern, von einer Insel zur andern den größten Teil des Jahres in kleinen Fahrzeugen und offenen Booten zubringen Leute, die ihre persönliche Sicherheit in der eigenen Hanp halten und daher, wenn es gilt, nicht nur ihr Leben zu verteidigen haben, sondern zur Sicherung ihrer Stellung auch unter Umständen zum Angriff über­gehen müssen, da keine Behörde zur Stelle ist, welche ihnen Schutz gewähren könnte; sie müssen leben wie der Volksstamm, auf dessen Grund und Boden sie sich befinden, d. h. jeder hat für sich selbst zu sorgen und darf nie ohne Waffe sein; wer sich nicht selbst schützen kann, wird von dem andern vernichtet.

Marktplätze. *)

Die Marktplätze der Gazelle-Halbinsel liegen fast ohne Ausnahme auf dem Plateau, etwa eine Stunde Weges von der Küste entfernt, und finden sich hauptsächlich an der Nordküste bis etwa Kabaira und östlich bis Kabanga und zeichnen sich durch nichts als eine kleine Rasenbank in ihrer Mitte aus; diese wird benutzt, um von einem etwas erhöhten Standpunkt aus Überblick auf den Markt zu erhalten, auch wohl, um von hier aus die Ware eindringlicher anpreisen zu können. Allerdings liegt laute Empfehlung durchaus nicht im Wesen des Kanaken, und obwohl auf einem Marktplatz oft mehr als 100 Personen anwesend sein mögen, man mithin nicht wenig Spektakel zu erwarten berechtigt wäre, so verläuft doch selbst eine derartige Versammlung, bei welcher reden geradezu ein Erfordernis ist, wenigstens im Vergleich zu einem Markt mit gleicher Anzahl afrika­nischer Besucher, in verhältnismäßiger Stille. Die zuerst ankommenden Weiber säubern den Platz von den Spuren des letzten Markttages und lassen sich dann neben ihrer Ware nieder, um auf die nächsten Ankömm­linge zu warten. Diese sind schon von weitem sichtbar, denn das ein­gefleischte Mißtrauen der Leute veranlaßt sie natürlich, ihre Marktplätze womöglich auf ganz freie Stellen zu legen, aber selbst im Walde wird deren Umgebung von Unterholz frei gehalten. Es ist unglaublich, welche Trag-

i) Joachim Graf Pfeil:Studien und Beobachtungen aus der Süd­see", S. 117.