Print 
Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
Place and Date of Creation
Page
233
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

II. Der Bismarckarchipel und die Salomonen.

233

daß diese noch auf die Geschenke warten, welche der Gatte gelegentlich zu, geben hat. Bei einem zweiten, mir von einer andern Frau Dirks ge­schenkten Halsband, schließt sich an das Mittelstück statt der zwölf Schnüre ein aus Perlen gewebtes breites Band mit zierlichen Mustern an, auch sind die nach unten hängenden einzelnen Schnüre nicht direkt am Schloß befestigt, sondern es hängt an diesem zunächst ein 10 ein langes und 3 ein breites Perlenband, dessen Verlängerung die einzelnen Schnüre erst bilden. Die Halsbänder mit ihren weißen, blauen und roten Farben stehen, fest um den Hals gelegt, den braunen Gestalten entschieden gut. Hier mag angeführt werden, daß diese Eingeborenen eigentlich nur drei Farben kennen; das aus einer Erdart gewonnene Rot, das aus Ruß und Palmöl hergestellte Schwarz und das aus gebrannten Korallen hervor­gehende Weiß. Blau kommt allerdings auch vor, doch ist dies jedenfalls voll den Europäern eingeführtes Indigo. Andere Farben habe ich auf Duke os Bork und in Neubritannien nicht angewendet gesehen. In Neu- irland muß nach der Bemalung der dort gefertigten Masken auch Gelb bekannt sein. Die weiße Farbe scheint die beliebteste und geschätzteste zu sein, weil beim Tauschhandel die weißen Glasperlen am höchsten im Preise stehen.

Ein Dug-Dufl-Tanz der Neulauenburger.

Kurze Zeit nachdem wir Platz genommen, hören wir rechts aus dem Hohlweg von der Höhe ein dumpf grollendes Brüllen, wie das eines Löwen, welches links aus dem Hohlweg aus der Tiefe beantwortet wird und nun ununterbrochen Schlag auf Schlag folgt; es ist ein von mehreren hundert Kehlen gleichzeitig ausgestoßener, tiefer, langgezogener Ton, welcher mit einem in der Quint liegenden kurz heransgestoßenen höheren Toll' jäh abschließt. Das Brüllen wird stärker und stärker, in den Hohlwegen werden Menschen sichtbar, braune, dicht aneinanderge- drängte nackte Männer, den Kopf zwischen die Schulter gezogen, in der er­hobenen Rechten den wurffertigen Speer. Wie der Heerwnrm wälzen und schieben sich die Menschenströme langsamen Schrittes in dem Takte des Brüllens nach dem vor uns liegenden Platze zu, quellen wie gestautes Wasser aus den schmalen Gassen heraus und überfluten schließlich den ganzen Platz. An 1000 Krieger dringen mit erhobenen Speeren aufeinander ein, für das Auge wie ein träger, aber alles vor sich niederwerfender Lavastrom, bleiben aber wie angewurzelt stehen, und verstummen, als die Reihen der linken Partei sich öffnen und aus ihrer Mitte das schöne Dug- Dng-Kann herausgetragen wird und neben diesem auf den Schultern zweier Männer King Dick mit seiner Blechkrone auf dem Kopfe erscheint. Daß Topulu nicht in dem Kann sitzt, sondern sich nebenhertragen läßt,

Z B. von Werner: ,,Ein deutsches Kriegsschiff in der Südsee", S. 446.