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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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232 6. Die deutschen Schutzgebiete in der Südsee.

Empfänger von Diwarra etwas zerstören, nicht einmal einen Ast brechen oder Erde umwühlen. Er darf somit sich auch an Garten- und Ernte­arbeiten nicht beteiligen, sondern muß sie von anderen verrichten lassen. Nach Ablauf der für das Tambn festgesetzten Zeit muß sich jeder der damit Belegten freikaufen, so daß der ursprüngliche Verteiler von Diwarra schließlich doch wieder auf seine Kosten kommt. Beim Hinscheiden von bescheideneren Leuten ist das Tambn nicht so schwer und von kürzerer Dauer.

Die Verwandten und Leidtragenden färben ihre Gesichter schwarz und zwar die Weiber bei jedem Trauerfalle, die Männer nur, wenn der Dahingeschiedene ein Mann war. Oft begnügen sie sich auch mit zwei dicken Strichen unter den Augen. Während der Trauer dürfen sie gewisse Speisen nicht genießen. Nach einiger Zeit löst die oder der nächste An­verwandte das Tambu ab durch Gabe eines Stückes Diwarra an den nächsten Leidtragenden: dieser gibt es um etwas vermindert weiter, und so fort, bis ein kleiner Rest in die Hände des letzten Leidtragenden ge­langt; dann sind alle von dem Tambu erlöst.

Halsbänder der Frauen aus Neulauenburg.

Das Halsband der Frauen ist in der Hauptsache aus kleinen böhmi­schen Glasperlen und Opossumzähnen zusammengesetzt und hat an herunter­hängenden kurzen Schnüren vielerlei kleine Zierstücke. Je nach dem Reichtum des Mannes wachsen auch diese Frauenhalsbänder vou der einfachen Perlenschnur bis zu 6 am breiten Bändern mit einem Mittel­stück aus Opossumzähnen, welch letzteres hauptsächlich dem Schmuck Wert verleiht und zwar deshalb, weil jedes Opossum nur zwei der hierzu ver­wendbaren Zähne besitzt, mithin zur Herstellung eines solchen Stückes oft 50 dieser Tiere erforderlich sind. Ein besonders schönes Band, welches die mit so reichen Narbenmustern gezierte Lieblingsfrau King Dicks trug und die es von ihrem Hals lösend mir schenkte, besteht aus einem gewissermaßen das Schloß bildenden 6 em hohen und 4 ein breiten Mittelstück von über 100 Opossumzähnen. An diese schließen sich nach beiden Seiten je 12 Perlenschnüre an, welche durch je zwei senkrecht stehende feine Schildkrötstäbchen geführt sind, wodurch sie in der Bandform gehalten werden. Vorn an dem Schloß hängen zwölf und hinten an den beiden Biudeschnüren vier und acht 610 om lange einfache Perlenschnüre, an welchen je eine kleine Muschel, ein Stück geschnittenes Perlmutter (die Halbmondform ist sehr beliebt), ein alter Knopf, eine ausgehöhlte halbe Bohne mit durchaus hervorstehendem Schweinezahn, ein Stückchen spiral­förmig gedrehter Rinde, eine größere Perle u. a. m. befestigt ist. Einzelne Schnüre sind mit solchem Zierat noch nicht versehen, und ich vermute.

i) B. von Werner:Ein deutsches Kriegsschiff in der Sndsee", S. 412.