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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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Das Schutzgebiet Kiautschou in Ostasien.

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materiellen Gewinn: allein 1906 flössen der Forstkasse 16 000 für Pflanzen zu, die sie der chinesischen Regierung in Tsinanfu und der Schantung-Eisenbahn- und Bergbaugesellschaft geliefert hatte. Diese be­pflanzt ihre Eisenbahndämme und die Umgebung ihrer Schächte mit Akazien.

Sehr erfreulich ist es, wie mit dem Wald auch die Schar der ge­fiederten Sänger von Jahr zu Jahr zugenommen hat. 1903 hat die Wachtel, 1905 die Bachstelze zum erstenmal dort überwintert und ge­brütet. Den Schlag des Finken und das Lied der Drossel, den heimat­lich vertrauten Ruf des Kuckucks hört man von Jahr zu Jahr immer häufiger. Immer mehr finden diese Zugvögel Tsingtan und seinen Wald so anziehend, daß eine Art nach der anderen sich dauernd das Schutzgebiet zum Aufenthalt wählt. Die Watten sind belebt von einer Unzahl verschiedener wilder Enten und von wilden Gänsen und Reihern. In den Zugzeiten, im Frühjahr und Herbst, fallen Schnepfen, Wachteln und Bekassinen zu Tausenden in den Bergen und in den Feldern um Tsingtan ein, und dann und wann auchsieht man in schwärzlichtem Gewimmel ein Kranichheer vorüberzieht:." Die in ganz China sehr häufige Elster mit ihrem schmuckhaften Gefieder ist auch in Deutsch- Schantung ,,gemein", und der Allerweltsfreund, der Sperling, ist hier gegen die Insektenplage ein willkommener Bundesgenosse. Natürlich fehlt es auch nicht an Raubvögeln aller Art, wie Adler, Sperber, Falken u. cn An jagdbarem Wild kommt bis jetzt nur der Hase zahlreich vor. Der Hase im Schutzgebiet ist kleiner als der unsere, meist grau gefärbt und hat auch sonst viel vom Kaninchen an sich. Auch seine Vermehrung istkaninchenhaft". Zwar macht er durch sein Benagen der Bäume, das sog.Verbeißen", den Forstleuten viel zu schaffen, aber Jagd gehört nun einmal zum Walde, und so denkt niemand daran, dem Hasen anders nachzustellen als mit Pulver und Blei der zahlreichen Nimrode Tsingtaus. In den vielzerklüfteten Felsen finden Füchse und Dachse sicheren Unter­schlupf. Seit 1904 sind auch Fasanen mit Erfolg ausgesetzt worden, und wenn die mit Reh- und Damwild bis jetzt gemachten Versuche halten, was sie versprechen, wird die Strecke bei den Tsingtaner Jagden bald auch ein Paar brave Böcke oder einen kapitalen Schaufler ausweisen.

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Tsinglau und seine Umgebung. >)

Wir sind vor der Kiautschoubucht angelangt. Wir fahren genau nach Westen. Von Norden und von Süden springt das Land vor und läßt eine 3 lcm, breite Einfahrt frei. Hinter dieser holt dann die Bucht in weitem Bogen nach Norden hin aus. Kaum zu erkennen ist das Ufer im

i) Aus Weicker:Kiautschou, das deutsche Schutzgebiet iu Ostasien/ Mit gütiger Erlaubnis der Verlagshandlung Alfred Schall, Berlin.

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