Print 
Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
Place and Date of Creation
Page
186
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

186

L. Das Schutzgebiet Kiautschou in Ostasien.

nächst in einer besonders für sie errichteten Schule in deutscher Sprache, Lesen, Schreiben, Rechnen, etwas Geographie un,d in chinesischer Literatur unterrichtet. Diese Schüler waren dann monatelang die einzigeil Ar­beiter, bis sie so weit geschult waren, daß sie nun selbst wieder andere Arbeiter anlernen konnten. Dabei wurde aufs neue die Erfahrung ge­macht, daß es nötig ist, den chinesischen Arbeiter fest zu disziplinieren und zu organisieren, wenn man in einem modernen Betriebe, wie deut einer Seidenspinnerei, eine wirklich gute Leistung von ihm erreichen will. Darum ist die Verwaltung des Unternehmens auch daran gegangen, ihre Arbeiterschaft auf Grund fester Arbeitsverträge in der Nähe der Fabrik fest anzusiedeln. So wohnen jetzt in geräumigen Arbeiterwohuungen, nach Geschlechtern getrennt, 9001000 unverheiratete männliche und weibliche Arbeiter. In jeder Kaserne leben etwa 100 Arbeiter unter der Aufsicht chinesischer Hausväter und Hausmütter. Für die ver­heirateten Arbeiter ist ein Dorf mit Straßen und Plätzen erbaut; jedes Familienhaus hat einen Garten und etwas Ackerland. Jetzt wohnen hier an 300 Personen. Natürlich entsprechen sämtliche Anlagen allen hygienischen Anforderungen. Ein eigenes Hospital wird von chinesischeil, europäisch geschulten Ärzten geleitet. Die Fabrik in Tsangkou stellt nur das Seidengaru her. Verwebt wird dieses zum größten Teil in Krefeld. Die Kiautschou-Seidenstoffe sind anerkannt vorzüglich, sind waschbar und sehr dauerhaft. Sie sind weit besser als die durch viele Knötcheu und Unregelmäßigkeiten gekennzeichneten chinesischen Bastseidengewebe. Selt­samerweise schätzt das Publikum zum Teil noch gerade diese Fehler des Gewebes als Zeichen derEchtheit". Insgesamt sind von Tsingtau 1906 für über 2^/Z Mill. ^5. Seide ausgeführt worden.

Forstpflege und Forstschutz im Kiautschougebiet.

Daß die Verwaltung in Tsingtau sich die Pflege des Waldes von Anfang an so ganz besonders hat angelegen sein lassen, gehört zu ihren größten Verdiensten. Ein leichtes Stück Arbeit war das nicht. Vor 1000 Jahren noch, so berichten die chinesischen Chroniken, war auch der Lauschan noch bewaldet. Je weiter die ausschließlich ackerbautreibende Bevölkerung Schantungs sich ausbreitete, desto mehr vernichtete klein­bäuerliche Wirtschaft auch hier den Wald. In bergigem Land ist das noch verhängnisvoller als in der Ebene. Das Wasser, zumal die wolken- bruchartigen Güsse in der Regenzeit schwemmen alles Erdreich von den Hängen ab, und es bleiben die nackten kahlen Felsenhügel. So mußte auch im Schutzgebiet erst wieder eine Erdschicht gebildet und das Wasser festgehalten werden. Beides geht ja Hand in Hand. Darum wurden die

Z Aus Weicker:Kiautschou, das deutsche Schutzgebiet in Ostasien." Mit gütiger Erlaubnis der Verlagshandlung Alfred Schall, Berlin.