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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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Das Schutzgebiet Kiautschou in Ostasien. 185

In der Theorie leistet dieses uralte Fahrzeug vorzügliche Dienste, und es würde auf den asphaltierten Straßen unserer Städte sehr brauchbar sein; aber in China wird nichts getan, um die Reibung auf ein ge­ringes Maß herabzusetzen. Zunächst wird die Achse nicht geschmiert: Holz reibt sich an Holz oder rostigem Eisen, und von weitem hört man schon das rhythmische Quieken des Nadumlaufes. In Schanghai, wo dieses Vehikel früher sehr gebräuchlich war, wurde das unangenehme Geräusch so stark, daß die Polizei das Schmieren der Achsen anordnete und die Unterlassung bestrafte.

In allen ebenen oder flach welligen Teilen der Provinz geschieht der Haupt-Frachtverkehr mittels dieser Schiebkarren. Besonders groß wird ihre Zahl in den Gegenden der Kohlengruben. Sie laden hier meist 300400, aber auch bis 600 doch sind die Wege eine Kette von Hindernissen. Selten erregt während einer langen Reise ein Anblick so fortdauerndes Mitleid als der dieser Kärrner. Sie keuchen und schwitzen, um Widerstände zu überwinden, die mit der größten Leichtig­keit aus dem Wege geschafft werden könnten; aber sie sind so daran gewöhnt, daß sie selbst am wenigsten daran denken würden, die Hälfte der Kraft, welche sie zum Schieben des Karrens über einen Stein brauchen, auf dessen Fortschaffung zu verwenden.

Die Seidenraupenzucht.

Die Zucht der Seidenraupe und die Seidenweberei blüht heute besonders im Norden und Südwesten der Provinz. Vornehmlich ist es ein branngelbes Seidengewebe, als Rohseide oder als Bastseide auch in Deutschland wohlbekannt, von der die meiste in Schantung her­gestellt wird. Die leichteren Sorten werden zu Damenkleidern, Staub- niänteln, Kissenüberzügen, Vorhängen, die schwereren zu Herrenanzügen benutzt. Die meiste Rohseide nimmt den Weg noch immer über Tschifu, doch ist auch in diesem Artikel die Ausfuhr über Tsingtau von Jahr zu Jahr gestiegen.

An diese in Schantung altheimische Industrie hat nun dieDeuts ch- Chinesische Seiden-Jndustrie-Gesellschaft angeknüpft. Anderthalb Stunden von Tsingtau entfernt, in Tsangkou, steht die Seiden­spinnerei. 1904 ist der Betrieb aufgenommen worden. Eine große Schwierigkeit bestand darin, für den, vom chinesischen natürlich verschie­denen Betrieb die nötige große Anzahl Arbeiter zu bekommen. Die Gesellschaft löste die Aufgabe sehr geschickt. Sie wählte unter den anf ihre Aufforderung hin sich meldenden chinesischen Knaben etwa hundert körperlich und geistig besonders gut entwickelte aus. Diese wurden zu-

Z Aus Weicker:Kiautschou, das deutsche Schutzgebiet iu Ostasien".' Mit gütiger Erlaubnis der Verlagshandlung Alfred Schall, Berlin.