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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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184 L. Das Schutzgebiet Kiautschou in Ostasien.

darunter Klänge von sonderbaren Barbaren in Tschifu, welche jene ge­sehen, aber nicht gesprochen haben. Anordnungen der Provinzialbehörden, größere Ereignisse in der Neichshauptstadt, wie sie sich nach und nach, meist in sehr veränderter Gestalt, durch das Land verbreiten, werden auch ihre Rolle spielen. Nirgends verliert der Bauer den ihm eigenen Charakter des Mißtrauens und des konservativen Beharrens.

Die Dörfer im Norden haben im allgemeinen einen städtischen An­strich durch das Zusammendrängen der Häuser, die vielen offenen Kauf­läden und durch die Enge der Gassen. Bei der Rebellion der Nienfsi, welche Schantung im Jahre 1867 heimgesucht hatte, wurden sie teils mit einfacher, teils mit doppelter Umwallnng umgeben. Es sind dicke Mauern, die meist aus ungebrannten Lehmziegeln gebaut und mit Schießscharten versehen sind. Sie gewähren den Zugang zum Dorf nur durch enge Tore. Jni Süden der Provinz ist die Anordnung lockerer, die Häuser­reihen sich zu beiden Seiten einer breiten Dorfstraße. Einen unfreund­lichen Charakter bedingt die Abgeschlossenheit der Privathüuser; ihre Straßenfront ist oft eine Mauer mit enger Pforte; durch sie gelangt man in den Hof, zu dessen Seiten sich die Wohnräume befinden.

Der Schiebkarren. i)

Auch für das gebräuchlichste aller Werkzeuge des kleinen Fracht­verkehrs, den Schiebkarren, reichen auf ebenem Boden die Fußpfade aus; doch werden für sie auch breitere Wege angelegt, die in besonderen Fällen mit Steinplatten belegt sind. Der chinesische Schiebkarren hat ein Problem vollkommen gelöst, das andere Völker kaum überlegt zu haben scheinen, nämlich mit dem geringsten Verbrauch an Kraft auf einem schmalen, aber glatten und ebenen Pfad eine große Last fortzubewegen. Auf der Achse eiues hohen Rades ruht ein horizontales, festes Lattengestell, welches das Rad umfaßt und sich nach hinten in zwei Handhaben verlängert. Das Rad läuft in einem senkrechten Gestell von ähnlicher Art, welches sich von der Plattform erhebt. Diese einfache Konstruktion gestattet nun, die Fracht aufzulegen und mit ihr das ganze Gestell zu überbauen, so daß der Schwerpunkt der Last auf der Achse ruht. Der Karrenschieber hat kein Gewicht zu heben, wie es bei europäischen Karren der Fall ist, sondern nur die in labilem Gleichgewicht befindliche Last zu balancieren und in ihrem Fortstoßen die Reibung zu überwinden. Ein Mann ver­mag den Umzug einer ganzen Familie aus Strecken von mehreren Tage­reisen zu besorgen. Mann und Frau lagern auf Betten und ihrem wenigen Gerät zu beiden Seiten des Rades, und für einige Kinder findet sich auch noch Raum. Soll Steinkohle oder andere geschüttete Fracht ge­laden werden, so wird die Plattform an den Rädern korbartig umkleidet.

^ von Nichthofen:Schantung", S. 101.