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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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13. Das Schutzgebiet Kiautschou in Ostasien.

Schilderung der Bewohner von Schantung. *)

Auffallend ist bei den Bewohnern von Schantung, wenn man von Süden kommt, die dunkle, gelbgraue bis braungraue Hautfarbe, die sich zwar in den nördlichen Provinzen häufig findet, aber mir hier ein all­gemeineres Attribut zu sein schien. Die Leute sind hoch gewachsen, schlank und körperlich gut gebildet. Der Gesichtsschuitt ist männlicher als im Süden; die obere Augenlidfalte hängt weniger herab, und daher geben die Augen in geringerem Grad den Eindruck einer schiefeil Stellung. Es findet sich nicht selten Bartwuchs an Kinn und Oberlippe, und im Westen begegnete ich mehrfach einem Typus, welcher durch diesen, wie durch die Gesichtsbildung überhaupt, an die bekannten Darstellungen des Konfuzius erinnert, so das; dieser auch äußerlich ein echter Abkömmling seiner Heimatprovinz gewesen zu sein scheint. Im Süden würde man einen solchen Typus vergeblich suchen.

Auch durch ihr wohlgesittetes Betragen erweisen sich die Bewohner von Schantung als des großen Sohnes ihres Landes würdig. Selbst wenn die Neugier sie in Scharen herandrängte, benahmen sie sich stets fast ausnahmslos mit gutem Allstand, so daß ich sie manchmal ungern aus dem Zimmer wies, in das es sie mächtig zog. Die alten Männer, deren ich besonders im nördlichen Teil der Provinz eine überraschend große Zahl bemerkte, haben ein ehrwürdiges Ansehen. Zuweilen ließ sich ein Greis in den höchsten Lebensjahren zu uns führen, um doch ein­mal die fremden Eindringlinge zu sehen, von denen er so viel gehört hatte. Die Knaben sind intelligent und geweckt und erscheinen geeignet, zil einer fortgeschritteneren Generation herangezogen zu werden. Mehr als einmal geschah es, daß ein Mann der gebildeten Klasse herankam, um mir mit Stolz seine heranwachsenden Söhne vorzustellen. Neben Ordnungsliebe zeichnen sich die Leute durch Arbeitsamkeit aus, und sie waren zur Zeit meiner Anwesenheit durch Opiumgenuß nicht geschwächt, der der hohen Kosten wegen wenig Eingang finden konnte. Dies kann sich jetzt, da in der Provinz selbst viel Opium gewonnen wird, geändert haben. Übrigens herrscht, wie allenthalben in China, ein Gegensatz zwischen Stadt und Land. Blickt man auf die Felder, so erhält man den Eindruck emsigen Fleißes. Mit dem frühesten Morgengrauen sind die Leute draußen, und in später Abendstunde sieht man sie noch immer dort beschäftigt. Die Mutter hackt die Löcher für den Samen, der Sohn wirft die Körner hinein, der Hausvater verteilt aus einem Korb den Dünger sorgfältig auf jedes Korn, die kleinen Kinder sitzen daneben auf dem Feld. Dort geht ein Vater hinter dem mit Kühen oder einer Kuh und einem Esel bespannten Pflüg; er wird von seinen Söhnen bei der Arbeit unterstützt. Am Wohnhaus wird der Kompostdünger von einem

Z von Nicht Hosen:Schantung", S. 93.