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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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Das Schutzgebiet Kiautschou in Ostasien. 179

meile entspricht. An dieses Becken schließt sich nach Nordost noch eine Rinne Volt 4 Seemeilen Länge mit 1000 in Breite und mindestens 6 in Tiefe bei Niedrigwasser.

Da der durch Flut und Ebbe erzeugte Wasserwechsel etwa 3 bis 4 in beträgt, also etwa so viel wie bei uns an der Nordseeküste, so liegt ein Vergleich der Bucht mit dem Jadebusen nahe, und man kann sich also eine den Jadebusen an Ausdehnung noch übertreffende Wasserfläche denken, ait welche sich nach Nordost noch eine Rinne von der Größe des Kieler Hafens anschließt. Das Klima der Provinz Schantung wird allseitig als das gesundeste in ganz China bezeichnet. Die Wärme in Kiautschou, das etwa auf dem Breitengrade von Sizilien liegt, ist während des Sommers zwar noch groß, aber die Trockenheit der Luft läßt sich leichter ertragen. Im' Winter gibt es namentlich nachts ganz kräftigen Frost; doch soll die > Bucht nach den Angaben der Bewohner nur auf den nordwestlichen Watt­flächen zeitweise Eis zeigen. Wie allgemein versichert wurde, erwächst daraus der Schiffahrt durchaus kein Hindernis. Nebel und Schnee sind selten.

Die herrschenden Winde, der Nordost- und Südwest-Monsun, sind gleichzeitig auch die stärksten. Taifune sollen selten sein; doch muß mit ihnen gerechnet werden, wie es leider der Taifun des Juli 1896 bewiesen hat, in welchem derIltis" auf der Fahrt nach Kiautschou an der Süd­küste von Schantung strandete. Wenn auch die Bucht gegen alle Winde derart gedeckt ist, daß sie einen sehr geschützten Ankerplatz bildet, so wird sich doch infolge ihrer großen Ausdehnung aus jeder Richtung soviel See­gang erzeugen, daß z. B. ein Löschen und Laden der Schiffe mit Hilfe von Leichterfahrzeugen zeitweise ebensowenig möglich sein wird, wie der Verkehr mit leichten Booten. Die Bucht bildet zwar eine ausgebildete Reede, doch müssen die eigentlichen Hafenanlagen, wie in allen solchen Fällen, so auch hier noch geschaffen werden.

Das Klima von Schantung. i)

Der Gang der Temperatur nach den Jahreszeiten hat einen kon­tinentalen Charakter, d. h. er bietet Extreme von Wärme und Kälte. Da die Mitteltemperatur des wärmsten Monats, wie zuerst Fritsche er­kannte, in allen Küstenprovinzen von China im Meeresniveau nahezu gleich ist, die Wintertemperatur dagegen von Süd nach Nord in sehr starkem Verhältnis abnimmt, so machen sich für den Norden die Extreme ebenso in einer abnormen Kälte im Winter, wie in einer abnormen Wärme im Sommer geltend. Dies ist besonders für Peking bezeichnend. Weit gemäßigter schon ist Schantung. Januar und Februar sind kalt

i) von Nicht Höfen:Schantung", S. 76.

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