Print 
Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
Place and Date of Creation
Page
178
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

178 u. Das Schutzgebiet Kiautschou in Ostasien.

uns Ende März zeigte. Ich kann mich nur erinnern, im nördlichen Algerien, dann in Arizona in der nördlichen Sierra Madre und auf Hawai ähnliche Wildheit gesehen zn haben. Die Dolomiten sind groß­artiger. Das Berglabyrinth des Sinai ist trotz seiner größeren Höhe und Masse doch freundlicher, weil es eine hellere Färbung besitzt und keine derartigeil Trümmerfelder zeigt, die etwa geborstenen Lavaströmen ähneln. Und dabei ist der Lauschan rings umgeben von den fruchtbarsten Ebenen und Tälern. Vielleicht war es die Erinnerung an diese unmittelbar vorher gesehenen Täler, welche den Gegensatz verschärften, diese Wild­heit kräftiger hervortreten ließen.

Die Bucht Kiautschou. *)

Die Kiau-Bucht liegt 390 Seemeilen nördlich von der Mündung des Bangtse, so daß man sie von Schanghai aus mit gewöhnlichen Dampfern in etwa 30 Stunden erreicht. Die Anstenerung ist eine bequeme und wenn man sich der gegen die herrschenden Winde, den Nordost- und den Südwest-Monsun, gleich gut bedeckten Einfahrt nähert, sieht man zur Rechten der Bucht die mehr als 1000 m hohen Granitfelsen des Lauschan emporragen, während die Höhen zur Linken sich nicht über 200 bis 300 m erheben. Rechts erblickt man alsdann eine kleine Einbuchtung mit einer Landungsbrücke und zwei Forts und einigen größeren Baulichkeiten. Hier liegt das Dorf Tsintau mit Zollhaus, Telegraphenstation und dem Amtsgebäude des chinesischen Generals. In dem letzteren hat sich jetzt die deutsche Verwaltung vorläufig ein Unterkommen geschaffen. In dieser kleinen Bucht haben die deutschen Schiffe während des Winters 1897/98 gegen die Nordwinde vollständig geschützt gelegen, und die von den Chinesen auf einem Riff hergestellte, etwa 180 m lange Steinmole durch einen Landungssteg aus eisernen Schraubenpfählen, mit dessen Herstellung ebenfalls schon von den Chinesen begonnen war, so weit verlängert, daß die Dampfboote auch bei Niedrigwasser dort anlegen können. Der Platz ist, wie gesagt, gegen die rauhen Nordwinde geschützt und in dieser Hin­sicht vermutlich im Winter den meisten Plätzen im Innern der großen Bucht vorzuziehen. Es ist deshalb zu erwarten, daß sich hier alsbald die erste deutsche Niederlassung ansiedeln wird?)

Von den 2 Seemeilen breiten Einfahrten haben 1,5 Meilen eine für die größten Schiffe ausreichende Tiefe. Die Bucht mißt in jeder Richtung etwa 12 Seemeilen; doch fallen weite Flächen bei Nidrigwasser trocken, so daß der für tiefgehende Schiffe in Frage kommende Raum etwa einer Kreisfläche mit 4 Seemeilen Durchmesser oder einer deutschen Quadrat-

Z G. Franzius:Kiautschou", S. 98. 2) Inzwischen geschehen. D. H.