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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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Das Schutzgebiet Kiautschou in Ostasien. 175°

1000 Arbeiter beschäftigt. Sie stellt Seidengarn her, das in Krefeld weiter verarbeitet wird. Tsingtau führte 1906 bereits für 2,5 Mill. Mark Seide aus. Im Innern ist Weihsien der Hauptsitz der Seiden- industrie. Die Schiffswerft Tsingtaus erfreut sich an der ganzen Ost- küste Asiens eines guten Rufes. Sie beschäftigt fast 1500 chinesische Arbeiter. Gleichzeitig werden dort Farbige aus den deutschen Schutz­gebieten der Südsee in einzelnen Handwerken ausgebildet.

Handel und Verkehr.

Handel und Verkehr haben seit Fertigstellung der 435 lcaa langen Eisenbahn Tsingtau-Tsinanfu (1904) und des mit Molen, Schwimm­dock, das Schiffe bis 16 000 Tonnen faßt, und Werftanlagen ausge­statteten Hafens einen gewaltigen Aufschwung genommen. Der Gesamt- handel Kiautschons ist von 12,6 Mill. (1900) auf 138,8 Mill. (1911) gestiegen, hat sich also mehr als verzehnfacht. Tsingtau steht unter den nordchinesischen Häfen an vierter, unter den chinesischen Häfen überhaupt an sechster Stelle und wird nur von Schanghai, Tientsin^ Hankau, Kanton, Swatau übertroffen.

Alls dent Innern Schantnngs kamen neben Kohle noch Bohnen lind Bohnenkuchen, Ol, Baumwolle, Getreide, Obst, Strohmatten- und -borten, Seide, Topf- und Glaswaren mit der Bahn nach Tsingtau, die bereits im ersten Betriebsjahre (1905) einen Reingewinn von 3,8 Mill. -M abwrrf. Ins Innere führt die Bahn Bau- uud Gruben­holz, Baumwollengarn, Tuche, Eisen und Maschinen usw. Abseits der Bahn vermitteln den Verkehr auf schlecht gepflegten Straßen Schiebkarren und einrädrige Wagen, sowie Maultiere und Maultierkarren. Die Wasser­straßen Schantungs sind ohne Bedeutung. Ein weiterer Ausbau des Bahnnetzes ist nur noch eine Frage der Zeit. Der Endpunkt der Schan- tungbahn trifft in Tsinanfu die mit deutschem Kapital erbaute Tieutsin- Pukowbah.l, und durch sie ist unser Schutzgebiet an das internationale Eisenbahnnetz Peking-Moskau-Berlin angeschlossen. (Bahn Tsingtau- Berlin 10 600 Irw.) Von Tsingtau gehen Kabel über Tschifu und Schang­hai nach Europa. Postanstalten sind 10 vorhanden, 7 davon haben Tele­graphenbetrieb, 2 Orte besitzen Fernsprechnetze. Den Verkehr mit dem Mutterlande vermitteln der Bremer Llohd und die Hamburger Paket­fahrt. 1911 liefen 590 Dampfer in Tsingtau ein. Seit 1. Januar 1906 ist Tsingtau dem chinesischen Zollgebiet einverleibt; das Hafen­gelände ist Freihafengebiet. 20o/o des Einfuhrzolles sollen für die näch­sten 5 Jahre dem Gouvernement überwiesen werden.

Verwaltung. Schule, Mission.

Kiautschou ist vorwiegend als Stützpunkt der Marine in Ostasien gedacht. Es untersteht darum auch uicht wie die übrigen Kolonien dem