Print 
Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
Place and Date of Creation
Page
173
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Das Schutzgebiet Kiautschou in Ostasien. 173

einer schiefen Stellung. Rieh thofen, dem wir diese Beobachtungen verdanken, rühmt ferner ihr wohlgesittetes Betragen, ihre Intelligenz, Ordnungsliebe, Arbeitsamkeit und ihren geschäftlichen Sinn. Die Siede- lnngen tragen im allgemeinen den Charakter von Dörfern, welche durch­schnittlich in architektonischer Hinsicht ansehnlicher sind, als in manchen Teilen Deutschlands. Da die Ziegelsteine zum Bauen wie zur Bedeckung blangran gebrannt werden und auch die weiße Tünche meist fehlt, so haben die Dörfer ein etwas düsteres Aussehen. Dazu sind Straßen und Häuser meist schmutzig. Die Fenster bestehen aus hölzernen, mit Papier überklebten Gittern. Viele Dörfer sind mit einfacher oder doppelter Umwallung umschlossen. 1910 wohnten in Tsingtau und Tapautau 1621 Europäer, zahlreiche Japaner, einige Inder und 34180 Chinesen. Dazu kam noch die Garnison in einer Stärke von 1879 Mann. Die Zahl der Chinesen im Landgebiete des Schutzgebiets wurde im gleichen Jahre auf 161000 geschätzt.

Produktion des Landes.

Die Hauptbeschäftigung der Eingeborenen ist der Ackerbau, für welchen die breiten, wohlbewässerten Täler, die Abhänge der Gebirge und besonders die Randgebiete der großen Ebene gute Vorbedingungen bieten. Abgesehen von der unfruchtbaren Schantnnghalbinsel leben die Bewohner daher auch in verhältnismäßigem Wohlstände. Alles irgend geeignete Land wird sorgsam in Kultur genommen und die Ergiebigkeit des Bodens durch ausgedehnte Brunnen- und Bewässerungsanlagen erhöht. Der Teestrauch gedeiht im allgemeinen nicht mehr, wohl aber der Reis, der vornehmlich in den wasserreichen Tiefebenen gewonnen wird. Ferner werden im Überfluß Weizen, Gerste, Hirse, Kanliang (Sorghum) und Bohnen, daneben Baumwolle, Mohn (für die Opium- gewittnnng), Tabak, Hanf und Ölpflanzen angebaut. Das reife Getreide wird nicht abgemäht, sondern büschelweise aus der Erde gezogen, worauf man die Wurzeln und Ähren abhackt und die Drescharbeit meist gleich auf dem Felde mit dem Dreschflegel oder einer von einem Esel bewegten Steinwalze vornimmt. Die Gemüsekultur steht, wie überall iu China, in hoher Blüte, und die europäischen Gemüsearten gedeihen vortrefflich. Der Obstbau (Aprikosen, Pfirsiche, Kirschen, Äpfel, Birnen, Walnüsse usw.) dürfte noch einer erheblichen Entwicklung fähig sein. Maulbeer- bäume, Götterbäume (Ailanthus) und zwei großblättrige Eichenarten werden zur Seidenraupenzucht angepflanzt. Eine Zizhphusart liefert die unter dem Namen chinesische Dattel geschätzte Frucht, und ebenso bilden die apselgroßen Beerenfrüchte des hochstämmigen Kakibaumes frisch oder getrocknet ein beliebtes Nahrungsmittels) An Haustieren werden vor-

Z Nach Hassert, S. 228, nach Richt hosen, S. 106 ff.