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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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172 L. Das Schutzgebiet Kiautschou in Ostasien.

unter der chinesischen Regierung verwahrlosten hygienischen Verhältnisse der Niederlassungen durch das Eingreifen der deutschen Verwaltung eine erhebliche Verbesserung erfahren haben. Daraus erklärt sich auch die er­freuliche Tatsache, daß Tsingtau bei den Europäern Ostasiens mehr und mehr als Badeort in Aufnahme kommt.

Pflanzen und Tierwelt.

Die natürliche Vegetation in der ganzen Provinz Schantung ist durch die sorglose Ausnutzung derselben so ziemlich vernichtet. Waldbestand ist fast nirgends mehr vorhanden; aber auch die Strauchvegetation und selbst die Gräser und Kräuter werden zur Beschaffung von Feuerungsmaterial nach kurzem Auftrieb immer wieder bis auf die Wurzeln zerstört. Nur den außerordentlich günstigen klimatischen und Bodenverhältnissen ist es zu danken, daß nicht auch die letzte Spur davon längst verschwunden ist, sondern sich eine gewisse spärliche Bedeckung von Gräsern und Gestrüpp immer wieder erneuert. In den Tälern und Ebenen ist die Vernichtung der natürlichen Pflanzendecke durch den üppigen Anbau von allerhand Nutzgewächsen wieder ausgeglichen; ihr blühendes Aussehen steht in einem überraschenden Gegensatz zu dem gänzlich kahlen Charakter der Berge. Eine umfangreiche und planmäßige Aufforstung, die auch der Verbesse­rung der Wasserverhältnisse zugute kommen wird, hat bereits angefangen, Wandel zu schaffen.

Die Tierwelt ist wenig mannigfaltig, daher denn auch die Jagd »keine besondere Rolle spielt. Auf den Bergen dürfte zur Zeit der Be­waldung manches größere jagdbare Tier gelebt haben, wovon jetzt nicht viel mehr übrig geblieben ist. Nur Wölfe und Füchse sollen hier und da im Gebirge vorkommen. Sonst gibt es Fasanen, Wachteln und Hasen von einer kleinen Art. Zahlreich sind, wie in allen wasserreichen Niede­rungen Chinas, Wildenten und Gänse. Jagdfalken werden teils zur Hasenjagd, teils zum Einsangen kleiner Vögel und Kormorane zum Fischfang abgerichtet.

Bevölkerung.

Die Provinz Schantung ist dicht bevölkert; doch ist das Bergland auf den Höhen dünn besetzt, während in den Tälern die Siedelnngen oft dicht gedrängt liegen. Dagegen ist das Flachland im allgemeinen dicht bewohnt. Die offizielle Zählung von 1894 ergab 37^/z Millionen Einwohner. Diese Zahl scheint indes übertrieben. Die Bewohner von Schantung unterscheiden sich merklich von den übrigen Chinesen. Sie haben durchweg eine dunkle, gelbgraue bis braungraue Hautfarbe, sind hoch gewachsen, schlank und körperlich gut gebildet. Der Gesichtsschnitt ist männlicher als im Süden. Die obere Augenlidsalte hängt weniger herab und daher geben die Augen in geringerem Grade den Eindruck