Das Schutzgebiet Kiautschou in Ostasien. 171
Hügeln, unterbrochen. Die günstigen Tiefenverhältnisse der Bucht werden an der Nordost- und Westseite, je mehr man landeinwärts kommt, durch große Sandablagerungen beeinträchtigt. Doch umfaßt die für Kriegsschiffe zugängliche Wasserfläche immer noch einen Raum von 56 yüm, vermag also der größten Flotte Unterkunft zu gewähren. Bei Ebbe fällt das Meer um 3—4 m und legt einen breiten seichten Watteustreifen trocken. Auch bei strenger Kälte bleiben die Ankerplätze für die großen Seeschiffe eisfrei. Gegen die heftigen Nordost- unl) Südwestwinde ist die Vai gut geschützt, zeigt aber doch einen ziemlich starken Seegang, wodurch zeitweise der Verkehr mit kleineren Fahrzeugen verhindert wird.
Die Provinz Schantung, zu der die Kiautschoubucht die wirtschaftliche Eingangspforte darstellt, ist zum großen Teil ein rauhes Gebirgs- land, das von dem übrigen China durch umfangreiche Niederungen geschieden wird. Das vielfach gebrochene und zerklüftete, in seiner Hauptmasse aus Gneisen, Graniten und kristallinischen Schiefern bestehende Gebirge wird durch eine über 150 tcrn lange und stellenweise bis zu 100 üm breite Furche zerschnitten, die sich nord- und südwärts zu ausgedehnten Ebenen verbreitert. Der aus dem Innern kommende Hoangho, unfähig, das unvermittelt im Westen zur Ebene abfallende Gebirge zu durchbrechen, umgeht das Hindernis, weicht bald nach Norden, bald nach Süden aus und verursacht durch seine Überschwemmungen oft genug die schwersten Verheerungen.
Die Wasseradern der Provinz Schantung sind durchweg bedeutungslos, Ihr allgemeiner Charakter besteht in einer verhältnismäßig großen Breite des mit Sand gefüllten Bettes bei geringer Tiefe und Wasserführung. In die Kiautschoubucht mündet der von Norden kommende Äiauho, der zur Versandung der Bai am meisten beigetragen hat und den Verkehr mit kleinen Booten gestattet. Mit dem Laiho, der dem Pimosee (Pi-mo-hu) entströmt und gleichfalls für Kähne schiffbar ist, steht er durch einen zurzeit freilich verfallenen Kanal in Verbindung.
Klima, Gesundheitsverhältnisse.
Der Sommer ist warm; indessen wird die Hitze infolge der ständig wehenden kühlen Seebrise und der großen Lufttrockenheit leicht ertragen. Im Winter tritt häufig leichter Frost und Schneefall ein, doch werden die Kältegrade Mitteleuropas nicht erreicht. Während im Sommer feuchte Südwestwinde vorherrschen, ist die Winterzeit durch trockene Nordwest- winde gekennzeichnet, die zudem die Sommerwinde an Stärke übertreffen. Regelt und Nebel sind häufige Erscheinungen. Unter den deutlich unterschiedenen vier Jahreszeiten hat der Sommer bei weitem den stärksten Regeufall. Alles in allem gilt das Klima für das günstigste der ganzen Küste und ist dem Europäer durchaus zuträglich, besonders nachdem die