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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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L. Das Schutzgebiet Kiautschou in Ostasien.

Landesinnere sich erstreckt und insgesamt einen Flächenranm von etwa 7100 ykm umspannt. Auch hier ist die chinesische Regierung, ohne im übrigen auf die Oberhoheitsrechte zu verzichten, doch hinsichtlich aller ihrer Anordnungen an die Zustimmung der deutschen Regierung gebunden. Das wertvolle Recht, in der Provinz Schantung Kohlenminen eröffnen und Eisenbahnen anlegen zu dürfen, krönt die Errungenschaften dieses denkwürdigen Vertrages. Viele Gründe hatten dafür gesprochen, gerade diesem Hafen im Norden des chinesischen Reiches den Vorzug zu geben. Die großen Wasserstraßen des Niesengebietes und ihre Ausfallspforten waren bereits unter fremdem Einfluß. Der Sikiang wird durch die Handelsplätze Kanton, Makao und die Insel Hongkong, also in der Hauptsache durch englischen, und daneben portugiesischen Handel völlig beherrscht. Die Engländer waren es auch, die den Bangtseflnß durch ihre Niederlassungen in Schanghai ihrem Einfluß tributär gemacht hatten. Die ganzen südlichen und mittleren Teile des chinesischen Reiches boten also wenig günstige Aussichten für den Wettbelverb. Dazu kam, daß die Kiautschoubncht einen geschützten eisfreien Hafen mit guter Einfahrt und sicherem Ankergrund darbot, für die Kriegsmarine eine hervorragende Flotten- und Kohlenstation abgab, sich eines für Europäer zuträglichen Klimas erfreute, in seinem Ufergelände genügend Raum für die Anlage einer ausgedehnten Niederlassung gewährte und ein hinreichend wertvolles Hinterland besaß, um eine gedeihliche Entwicklung zu versprechen.

Bodengestaltung. Bewässerung.

Südlich von der Mündung des Hoangho streckt sich eine im Mittel 125 lcrn breite Halbinsel in das Meer und scheidet die Tschilibucht vom Gelben Meer. An der Südseite dieser Halbinsel, da wo sie zum Fest­lande übergeht, öffnet sich die Kiautschoubucht, deren Einfahrt unter dem 36. G>.ad nördl. Breite liegt. Sie ähnelt in ihrer Form dem Jadebusen.

Längs der Südküste der Schantung-Halbinsel erstreckt sich ein Gneis­gebirge, das durch tiefe Quertäler mannigfach zerrissen und zerklüftet wird. Da, wo das Meer in diese Einschnitte eingedrungen ist, sind tiefe Buchten mit meist enger Einfahrt entstanden; die geräumigste derselben ist die Kiautschoubucht. Nördlich von der schmalen Einfahrt erhebt sich die zerrissene Bergkette im Lauschangebirge als weithin sichtbare Land­marke, bis zu einer Höhe von 1400 m, während der Tamoschan und Huangtau im Süden nur eine Höhe von etwa 600 m erreichen. Da­hinter wird die Bucht nochmals durch einen Landvorsprung eingeengt, der sich der Insel Tschiposchan gegenüber ostwärts ins Meer erstreckt. Die eigentliche Bucht hat eine Länge von 33, eine Breite von 26 lcm; im Bereiche des Küstengebirges fallen die Ufer meist steil ab, sonst sind sie flach oder leicht abgodacht und werden nur selten voll einzelnen