Das Schutzgebiet Kiautschou in Ostasien
a) Allgemeine Beschreibung des Landes Lage und Erwerbungsgeschichte.
Der deutsch-chinesische Handel hat sich in den letzten vierzig Jahren gewaltig gesteigert. Dennoch ist ihm Englands Handel noch bei weitem überlegen, und Frankreich wie Rußland machen große Anstrengungen, auch ihrerseits ihre Handelsbeziehungen auszubreiten. Um gegenüber diesem Wettbewerb bestehen und sich weiter entwickeln zu können, bedurften die deutschen Interessen eines festen Stützpunktes. Die chinesische Küste wurde daher von der deutschen Kriegsmarine nach einem passenden Hafen untersucht, und die Aufmerksamkeit richtete sich schließlich auf die au der Südküste der Halbinsel Schantnng gelegene Kiantschou- bucht.
Die Ermordung zweier deutschen Missionare seitens einer fanatischen Volksmenge gab den äußeren Anlaß zur Besetzung der Bucht, nachdem die mit dem Tsnngli Namen, dem chinesischen Auswärtigen Amt, eingeleiteten Verhandlungen wegen Überlassung derselben erfolglos gewesen waren. Jetzt zeigte sich die chinesische Regierung willfähriger. Am 6. März 1898 kam es zum Abschluß eines Vertrages, durch welchen das gesamte innere Wasserbecken der Kiautschonbucht bis zur Hochwassergrenze (einschließlich der Inseln Tschiposchan oder Huangtan und Bintau oder Potato Island) sowie die beiden seitlich des Eingangs vorspringenden Halbinseln Lauschan und Huangtan bis zu deren Begrenzung durch geeignete Höhenzüge und außerdem die der Bucht vorgelagerten Inseln (Toloschan und Thsalientan) auf zunächst 99 Jahre an Deutschland ver? pachtet wurden.
In diesem Gebiete, das etwa 920 ylcna einschließlich des Wasserspiegels der Bucht umfaßt, hat China alle Hoheitsrechte an das Deutsche Reich übertragen. Aber noch mehr: das eigentliche Pachtgebiet wird. halbkreisförmig von einer neutralen Zone eingeschlossen, die 50 üm in das