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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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Die afrikanischen Schutzgebiete.

Strenge Vorschriften bestehen sodann über Art und Ort der Begräb­nisse. Die alte Unsitte der Schwarzen, ihre Toten im Sterbehause, also mitten in Hof und Dorf zu beerdigen, wird nicht mehr gestattet. Es ist

daher im Osten und auf freiem Felde ein großer Kirchhof angelegt und

mit der Stadt durch einen guten Weg verbunden. Mindestens ebenso wichtig war die Regelung der öffentlichen Aborte, die zwar in Togo nicht

fehlen, in ihrer ursprünglichen Gestalt aber mehr zum Schaden als zum

Nutzen gereichten. Jetzt besteht aber ferner eine strenge Polizeiaufsicht zum Zwecke der Ordnung und Sauberkeit auf Straßen und Plätzen, die namentlich an den Markttagen leicht verunreinigt werden. Am 6. Mai 1894 erhielt Lome eine Neubestimmung über die Aufbewahrung der Vorräte von Pulver und sonstigen Sprengstoffen. Daraufhin wurde eiir Kilometer außerhalb, etwa 12 Minuten von der katholischen Mission, an denk Wege nach Bagida, ein Pulvermagazin erbaut.

Nahe der Bergstraße, auf einem Grundstück zwischen Markt- und Bremerstraße, hat sich seit dem Frühjahr 1895 die Norddeutsche Missions­gesellschaft angesiedelt. Einer ihrer eingeborenen Lehrer, namens Andreas Aku, leitete Schule und Bekehrungswerk und benutzte für sein mühevolles Geschäft ein kleines, selbst erbautes Haus, das anfänglich äußerst primitiv eingerichtet war. Die Wände bestanden zur Hälfte aus Well­blech, zur Hälfte aus Grasmatten; auch das Dach war aus Wellblech hergerichtet. Die beiden Eingänge mußten vorläufig ohne Türen blei­ben; den Boden deckte festgestampfter und geglätteter Lehm. Es mangelte sogar au Schulbänken und Schultischen, nur ein Glockentürmchen für die Kirchenglocke war vorhanden. Aber mit Liebe, Eifer und Genügsamkeit hat Aku die erste dornenvolle Zeit überwunden und in Lome eine kleine Gemeinde gegründet und Schulkinder um sich versammelt. Mit Rücksicht auf diese gedeihlichen Anfänge erwarb die Norddeutsche Mission bald ein zweites Grundstück und ging an den Bau einer größeren Station, deren Kosten auf 20 000 ^-5. veranschlagt wurden. Diese ist inzwischen fertig­gestellt und am 28. Februar 1897 feierlich eingeweiht worden. Außer Schule und Kirche ist ein Europäerhaus und eine Wohnung für den einheimischen Lehrer mit den erforderlichen Nebengelassen hergestellt, so daß zwei deutsche Missionarfamilien und der Gehilfe Aku bequem darin Unterkunft finden.

Schmiedehandwerk in Togo. *)

Das Schmiedehandwerk ist im allgemeinen verbreitet. Die kleine, offene Hütte, in der es getrieben wird, besitzt eigentlich nur ein Schatten­dach. Nach dem Markt zu ist das Innere durch Wände von Palmblatt­rippen geschützt. Die Seiten nach dem Gehöft sind vollkommen offen

i) H. Klose:Togo unter Deutscher Flagge", S. 174.