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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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Die afrikanischen Schutzgebiete.

Lome, die Hauptstadt der Togokolonie. *)

Wer Lome vorn Meere aus betritt, kommt zuerst in die Strand­straße, vor der unter einer Reihe von Grasschuppen die gesamte Boots­flottille der Stadt sofern sie nicht zur See ist Schutz vor dem Sonnenbrände findet. Ganz am Ostende erheben sich die Gebäude der katholischen Mission aus Steyl, voran das zweistöckige Haupthaus von 24 m Länge nnd 6 m Breite, dessen Außenwände weiß gestrichen sind und ringsum voll einer Veranda umgeben werden. Das gleichfalls weiße Dach besitzt einen 10 m hohen Spitzturm, der zur Sicherheit gegen Gewitterschaden mit einem Blitzableiter versehen ist. Das Erdgeschoß dient als Kapelle und erste Schulklasse und enthält auch ein Sammel­becken für das Regenwasser. Im oberen Stocke wohnen die Missionare. Die Kapelle ist derschmerzhaften Mutter Gottes" geweiht und dem­entsprechend bildlich geschmückt. Da der Raum nicht mehr genügte, wurde er letzthin durch einen Vorbau vergrößert, so daß jetzt gegen 300 Per­sonen stehend in dem Kirchlein Platz finden, denn Sitzbänke gibt es nicht. Die Mittel- und Kleinschule für 80 bis 100 Knaben ist in einem Nebengebäude untergebracht, wo außerdem die Vorratskammer, die Koch- uud Waschküche, das Bad und die Tischlerei ihre Stätte haben. Im Frühjahr 1897 ist in Lome noch ein Frauenkloster eröffnet nnd mit fünf Schwestern besetzt worden, die sich dem Unterrichte der Negermädchen widmen sollen.

Ungefähr 300 m westlich der katholischen Mission liegt das deutsche Negieruugsgebäude, ein großes, zweistöckiges Haus mit weit vorspringen­der Veranda im oberen Geschoß. Die Giebelseite schaut zum Meere hin. Der Unterbau hat dunkelgrauen Anstrich ; das Dach ist weiß und trägt in der Mitte den hohen Flaggenmast. Außerdem besitzt Lome noch ein neues Beamtenhaus und mehrere ansehnliche Privatbauten jüngeren Datums, iu denen es sich, wie in dem schmucken Zoll- und Postamte, selbst unter der heißen Sonne Afrikas recht bequem leben und ar­beiten läßt.

Rechts und links um den Regierungssitz gruppieren sich die euro­päischen Faktoreien, zusammen zwölf an der Zahl, darunter sieben deutsche, drei englische und zwei französische. Die meisten haben in letzter Zeit bei dem erfreulichen Aufblühen des Handels ihre Warenlager bedeutend vergrößert und die Anzahl ihrer Verkaufsläden in der Stadt vermehrt. Um die Faktoreien dehnen sich Schmuckanlagen und Gemüsegärten aus, überschattet von hohen, wehenden Palmen oder dichten Laubbäumen.

Parallel mit der Strandstraße ziehen sich die Hamburger-, Bremer- uud Marktstraßc hin, die, gleich den übrigen, durch Beschüttung mit rotem Lehm einen festen, jederzeit gangbaren Mitteldamm erhalten haben. Am

i) Aus H. Seidel:Lome, die Hauptstadt der Togokolonie", S. 11 ff.