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Die afrikanischen Schutzgebiete.
Moskitovorhängen aus europäischem Kattun; ihre Häuser haben auch schon Fensterluken, die mit Holzläden verschlossen werden. Die Eingänge zu den Hütten werden des Nachts mit Vorsetzern verschlossen. Die Vor- setzer bestehen gewöhnlich aus zusammengefügten Palmblattrippen. Das Dach wird zuweilen über die Seitenwände herabhängend durch Stützen gehalten und auf diese Weise ein Vorraum geschaffen, welcher gegen Sonne und Regen schützt. Wie wir schon früher erwähnt haben, befinden sich die Feuerstätten entweder vor der Hütte oder unter einem kleinen Grasdach, seltener in der Hütte 'selbst. Ferner findet man in jedem Gehöft den bekannten hölzernen Trog zum Fußstampfen, sowie Ställe für das Kleinvieh. Die Ställe sind in der Regel nichts weiter als ein kleiner Raum, der durch Knüppelhölzer abgesperrt ist, und in welchem die Tiere des Nachts gehalten werden. In einer Ecke des Gehöfts ist auch häufig noch ein kleiner Raum zum Waschen abgeteilt. In ölreichen Gegenden findet man in den Gehöften kleine runde, gepflasterte Gruben, welche zur Aufnahme und Gärung der Olpalmenfrüchte dienen. Die Dörfer besitzen gemeinsam sogenannte Reiben, auf denen die Frauen Korn, Maiskörner, Pfeffer, sowie andere Früchte zerreiben. Diese Reiben bestehen aus einem viereckigen Lehmblock von ungefähr 1 m Höhe, der oben mit einem großen Stein versehen ist, auf welchem die Früchte mittels kleiner Steine zerrieben werden.
Gottesurteile. *)
Einer der gefürchtetsten Fetische ist in Anecho an der Küste der schon vorher erwähnte Fetisch Nanyo, der treulose Frauen durch den Priester mit dem Giftbecher bestraft. Derselbe wird, namentlich bei Mördern, wenn die Gerichte die Schuld oder Unschuld des Betreffenden nicht zu entscheiden vermögen, angerufen, um gewissermaßen ein Gottesurteil zu fällen. Der Priester des Nanyo fragt den Angeschuldigten, ob er den Mord begangen habe oder nicht; gesteht dieser die Tat nicht ein, oder verweigert er die Aussage, so wird er dazu durch den Trank des Fetisch gezwungen. Bei dieser feierlichen Zeremonie werden dem Angeschuldigten die Haare sowie die Nägel an den Fingern und Füßen beschnitten. Der Fetischpriester holt alsdann einen Fetisch aus seiner Hütte und vergräbt ihn, sowie die Haare und Nägel vor der Fetischhütte. Er beschwört darauf nochmals den Angeschuldigten, die Wahrheit zu gestehen, widrigenfalls er von dem großen Fetisch getötet werden würde. Der Priester ruft den Fetisch herbei und bittet um seine Unterstützung. Darauf wird dem Angeklagten eine Kalabasse mit dem Fetischtrunk gereicht, welche dieser leeren muß. Stirbt er von dem Gift, welches der Priester bereitet hat, innerhalb acht Tagen, so hat Nanyo durch den Tod die Schuld des
i) H. Klose: „Togo unter deutscher Flagge", S. 269 ff.