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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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IV. Togo.

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hergestellten Bänken liegt. Auch wir machen hier Rast, um nach den Strapazen und Anstrengungen des Marsches einige Zeit der Ruhe zu Pflegen.

Hüttenbau der Ewheneger. *)

Zu der wichtigsten Beschäftigung der Ewheneger gehört unstreitig der Ban ihrer Hütten. Jeder Ewheneger baut sich seine Hütte und sein Gehöft selbst auf. Er lernt dies schon in der Jugend, da er wie die übrigen Familienmitglieder bei dem Bau des Vaters fleißig mitarbeiten muß. Der Bau der Hütten ist im allgemeinen ein zwar sehr einfacher, indessen erfüllen sie vollkommen ihren Zweck und halten gut Stand gegen die Unbilden der Witterung. Die Form der Hütten ist bei den Ewheleuten ausschließlich viereckig; sie sind gewöhnlich 3 m breit, 56 m laug und werden von einem großen Giebeldach eingedeckt. Jede Hütte hat einen Eingang, der zugleich das Licht einläßt, da bei den wirklich typischen Eingeborenen-Hütten weder Läden noch Fensteröffnungen vorhanden sind. Meistens enthält die Hütte nur einen, selten mehrere Räume. Die Hütten werden in der Art gebaut, daß zuerst ein Gerüst von rohen Pfeilern und doppelten Querleisten aufgeführt wird, dessen ungefähr 2 m hohe Seiten- wände aus rohen Stangen bestehen. Die Giebelseiten sind etwas höher, bis 3 und 3V? m aufgeführt. Die Dachsparren sind, wenn Bambus vorhanden ist, aus diesem Material angefertigt, während die Querleisten des Daches aus Blattrippen der Wein- und Ölpalme bestehen. Die Wände werden zwischen den doppelten Leisten mit Lehm ausgefüllt, wozu öfters wegen ihrer Festigkeit Termitenhaufen verwendet werden. Um den Luft­zug in der Hütte zu ermöglichen, bleibt zwischen dem Dach und den Giebelseiten ein freier Raum. Das Dach wird mit Gras eingedeckt, das ziegelartig übereinander liegt und auch dem stärksten Tornado Wider­stand leistet. Der Fußboden wird aus Lehm zu einer Tenne festgestampft. Bei luxuriösen Bauten werden die Wände des Hauses mit hellgelber Erd­farbe, sowie die Kanten und die Einfassung der Tür mit einer roten Tonfarbe gestrichen. In den besseren Hütten findet man eine sogenannte Schlafbank, d. h. ein Bett, welches auf vier Pfählen ruht und auf dem eine 34 Zoll starke, aus Gras geflochtene Schlafmatte liegt. Inter­essant ist es, wie der Neger sich ohne Moskitonetz in der Hütte gegen Überfälle der Moskito zu schützen weiß. Er hüllt sich vollkommen, selbst den Kopf, die Arme und Beine in ein großes Tuch ein und ist auf diese Weise vollständig geschützt. Ein Weißer würde in dieser Lage bei der großen Hitze fast ersticken und mehr leiden, als durch Stiche der Moskito, gegen welche man mit der Zeit fast unempfindlich wird. Bei den reichen Händlern findet man roh gezimmerte Holzbettstellen mit

Z H. Klose:Togo unter deutscher Flagge", S. 192.