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Die afrikanischen Schutzgebiete.
Von Tongbe nach Käme.
Wir nahmen von Tongbe aus noch den alten Weg, der quer über das Gebirge nach Käme und Leglebi und dann in der Ebene nach Kpando führt. Von Tongbe geht es auf einem schmalen ausgetretenen Pfade durch viele Mais- und Reissarmen, die häufig von großen, schönen Bananen beschattet werden, bis man den Kolli erreicht, der hier in tiefer Schlucht die sanft ansteigende Hochebene durchschneidet und jenseits derselben in schroffen steilen Abhängen das felsige Gebirge zerklüftet. Erst jetzt beginnt der beschwerlichste Pfad, der bald in das tiefe Tal des Kolli, bald auf die steilen Höhen zu dem etwa 400 m hohen Kamegebirge führt, welches dem Wanderer einen wildromantischen Anblick gewährt. Ein schöner Urwald beschattet unsern Weg; überall findet man eine Art wildwachsender Mangopflaumenbäume, deren abgefallene gelbe Früchte auf dem Boden liegen und den Wanderer zum Essen einladen. Dieselben besitzen einen terpentinartigen Geschmack und werden gern von den Eingeborenen zum Löschen des Durstes genossen. Unten im Grunde murmelt der Tiibach, den man fünfmal zu überschreiten hat. Steil führt der Weg über Felsblöcke und Geröll den Bach hinunter, welcher den Reisenden öfter zu einem unfreiwilligen kalten Bade zwingt. So geht es eine Weile über große Felsblöcke an dem Bach entlang, der sich durch die Felsen hin- durchzwängt, oft kleine Wasserfälle bildend; dann plötzlich muß man wieder 300—400 m steil aufwärts, um nach wenigen Minuten nochmals in das Tal des Baches hinabzusteigen. Große Felsblöcke und Wurzeln erschweren den Marsch, und mühsam gleitet her Träger mit seiner schweren Last, welche jeden Augenblick hinunter zu fallen droht, den steilen Pfad hinab. Oftmals sind meterhohe Felsen zu übersteigen und mit Anstrengung kämpft man sich an den Wurzeln und Ästen der Bäume vorbei in dem ausgetretenen Pfade vorwärts. In der Trockenzeit fließen die Bäche spärlich; in der Regenzeit dagegen ist ihre Überschreitung nicht gefahrlos. Die reißende Strömung, welche große erratische Blöcke und Baumstämme mit sich führt, reicht häufig dem Wanderer bis an die Brust, und nur mühsam können dann die Lasten durch das Wasser befördert werden. Nach zweistündigem Marsche auf diesem Pfade erreichen wir das Bergdorf Käme, das ganz auf der Höhe liegt; wir begrüßen es als eine Erlösung von den überstandenen Mühen. Urwüchsige, schöne und kräftig gebaute Leute empfangen den Reisenden freundlich grüßend und bieten ihm herrliches, kristallhelles Quellwasser zum Trunke an. Das Dorf liegt einsam und verlassen auf einem kleinen Plateau zwischen hohen Bergen und Felsen, umgeben von dichtem Urwald. Kleine, viereckige Hütten ziehen sich an der Straße entlang, an der unter schattigen Bäumen der Marktplatz mit seinen primitiven, aus alten Baumstämmen
i) H. Klose: „Togo unter deutscher Flagge", S. 194.