I. Deutsch-Ostafrika.
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Karawanen-Lager.
Nach einigen Stunden weiteren Marsches ist das Safari?) an der zum Lagerplatz auserkorenen Stelle im Walde angelangt. Es sind noch viele alte Lagerstellen vorhanden. Doch aus Neinlichkeitsrücksichten ziehen die Weißen zum großen Ärger der Leute etwas weiter. Nun entsteht allgemeines Durcheinander. Die Träger setzen ihre Lasten nieder und binden ihr persönliches Eigentum ab. Ihre Arbeit ist für heute getan. Es liegt nun den Askari^) und Rugaruga^) ob, die Lasten geordnet aufzuschichten, nachdem in kürzester Zeit mit Beilen schenkeldicke Stämme abgeschlagen sind, um als Unterlage für die Lasten im Zelte zu dienen. Ohne diese Vorsichtsmaßregel würden die Waren über Nacht unbarmherzig von den allgegenwärtigen Termiten zerfressen werden. Über die Lasten werden die dachförmigen, nach arabischem Muster geschnittene!: Zelte auf lange Bambusstangen gespannt. Ein anderer Trupp hat inzwischen die Schlafzelte der Europäer aufgerichtet, welche sich bequem auf die leicht zerlegbaren Sessel gestreckt haben und behaglich auf das bunte Treiben und Gewimmel blicken. Die Hauptleute haben vor allen Dingen dafür zi: sorgen, daß die Hütten der Träger und Soldaten in weiten: kreise ums Lager errichtet werden. Ließe man die Leute gewähren, so bauten sie alle Hütten auf einen Haufen, möglichst fern von den Zeltei:. Der Koch lärmt unterdessen umher und hat längst Wasser zum Kochen gebracht, welches ihm die ihm unterstellten Dienerinnen, Weiber der Askari oder der Diener, aus den metertiefen, zahllos in den gelblichen Sand gegrabenen kleinen Löchern geschöpft haben. Es ist von leicht milchiger Farbe und schmeckt sehr gut, hat aber eine Temperatur von 20—210 o. Die Zelte der Ratgeber sind ebenfalls aufgeschlagen, und im Walde ringsum ertönt der Schlag der Axt, um das Material zu den leichten, kleinen, konischen Hütten in Gestalt dünner Stäbe zu beschaffen oder trockenes Holz zum Brennen abzuspalten. Jeder Träger ist verpflichtet, einen Span in die Küche abzuliefern, welcher Tribut oft zum Nachteil für den Säumigen durch einen der Küchenjungen eingetrieben werden muß. Ein Ausrufer fordert diejenige Abteilung der Träger, welche an dem Tage verpflichtet ist, die Hütte für die Küche zu errichten, auf, ihre Pflicht zu tun. Schäkernd ziehen die Weiber mit ihren Kalebassen und Tongefäßen zu den Wasserlöchern, und vielfach ungeduldige Rufe der betreffenden Ehemänner lassen erkennen, daß auch, wie bei uns, der Aufenthalt am Brunnen oft über Gebühr ausgedehnt wird. Von allen Seiten kehren bald Leute mit Material zurück, und in nicht ganz einer Stunde erheben sich in weitem Kreise 80—90 leichte Strohhütten,
Z P. Reichard: „Deutsch-Ostafrika", S. 303.
2) Suahiliausdruck für Karawanen. D. H.
3) Soldaten, welche die Karawanen begleiten. D. H.
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