Print 
Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
Place and Date of Creation
Page
49
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

I. Deutsch-Ostafrika.

49

gestellt werden, benutzt man zur Aufbewahrung von allen erdenklichen Sachen und auch als Reisekoffer.

Schiffahrt der Eingeborenen. *)

Die an der Ostküste Afrikas, auch in Arabien und Indien üblichen Fahrzeuge, Daus, Bethens, Bogalos usw. sind plumpe, hochbordige Schiffe bis zur Tragfähigkeit von etwa dreihundert Tons. Nur die größten unter ihnen, die Bogalos, besitzen einen gut gedeckten Raum; die anderen haben wohl teilweise ein Deck, doch fehlen zumeist die Deckel für die Luken. Am breiten Hinterteile findet sich gewöhnlich ein Halbdeck zum Aufenthalte für Kapitän und Reisende, darunter für letztere der Schlafraum, dessen Fußboden ein bis zwei Fuß unter dem Hauptdeck liegt und auf diese Art eine Lücke zum Durchkriechen aus dem unteren in den oberen Raum läßt. Ein wenig vor der Mitte des Fahrzeugs steht der große Mast (m1in§oti), ein starker, roh zugerichteter Baumstamm, welcher ein außerordentlich großes, lateinisches Segel (tanAa) an einer mächtigen, schräg aufsteigenden Raa (kormali) trägt; ein kleinerer Mast auf dem Hinterdeck wird selten, nämlich bei ganz flauer Brise gebraucht. Die eine Seite des fast dreieckigen Segels ist sehr lang, die andere kurz, diese heißt zoseü, jene äsmani; ebenso heißt auch jede Seite des Schiffes josoü oder cksmani, an welcher gerade, je nach der Richtung der Fahrt und des Windes, das kurze oder lange Segelende befestigt ist, eine Be­zeichnung, welche unseremLuf" undLee" entspricht,Seite an und unter dem Winde". Will man das Segel wenden, so muß man auch die Raa, an welcher jenes mit Stricken festgebunden ist, niederlassen, umdrehen und darauf wieder emporholen; bei dieser umständlichen Hand­habung verliert das Schiff gewöhnlich mehr, als es vorher durch Segeln scharf beim Winde gewonnen. Ein Kreuzen mit solchen Küstenfahrzeugen ist also höchst unersprießlich; dagegen segeln sie trefflich vor dem Winde.

Dabei wird ein hoher Baum, ckusturi, querüber gelegt, um das breite Segel zu spannen und die große Leinwandfläche völlig znr Ausnutzung zu bringen.

Arabische Schiffer fahren, falls es irgend angeht, längs der Küste hin, vorzugsweise in dem ruhigen Wasser hinter den in Ostafrika so häufigen, mit der Küste gleichlaufenden Inselketten oder Riffen. Hier fühlen sie sich, trotz ihrer großen Unkenntnis des Fahrwassers, sicher; denn sie bangen nicht vor dem Auflaufen auf eine der zahlreichen Sandbänke, weil sie wissen, daß ihr Schifflein dem widersteht und mit nächster Flut wieder freikommt. Außerhalb der oft engen und nur für kleine Fahr­zeuge geeigneten, inneren Straßen hingegen zeigen sie sich ungemein ängstlich, teils weil sie besorgen, sie möchten außer Sicht des Landes die

1) von der Decken:Reisen in Ost-Afrika", Bd. I S. 142. Seidel, Koloniales Lesebuch. 3. Aufl. 4