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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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Die afrikanischen Schutzgebiete.

noch feuchte Erde Gurken-, Kürbis-, Melonenkerue und Strauchbohnen gesteckt, bereit Ranken schließlich den Boden ganz überwuchern.

Die Mais- und Sorghumknltur ist in Afrika sicher schon uralt und jedenfalls nicht in geschichtlicher Zeit dort eingeführt. Den Reisbau hin­gegen haben die Wanyamwesi von den Arabern übernommen; derselbe beginnt erst jetzt allgemein eingeführt zu werden; doch zieht der Neger mit Recht immer den viel kräftigeren Sorghum vor.

Industrie der Wanyamwesi.

Die industriellen Erzeugnisse stehen nicht höher, als die der meisten anderen Negerstämme. Töpfe aus Ton herzustellen, ist eine Obliegen­heit der Frauen. Sie stampfen und reinigen das Material und formell daraus den Topf ohne Drehscheibe, ganz aus freier Hand. Nachdem er lufttrocken geworden, wird er gebrannt und mittels des Blätterextraktes aus einem Msima genannten Baume mit allerlei schwarzen Linien und Dreiecken verziert. Die tönernen Köpfe für die Wasserpfeifen der Männer stellen diese selbst her. Die Weiber rauchen aus kurzen Stummelpfeifen, deren Mundstück oft aus einer kleinen Eisenröhre gebildet ist. In die braune Rinde der Kalebassen brennt oder kratzt man Punkte oder Linien- muster ein; häufig finden sich auch rohe schraffierte Zeichnungen von menschlichen und tierischen Figuren darauf. Körbe verschiedenster Form und oft von sehr beträchtlicher Größe werden von den Männern aus dünnem Gras hergestellt, ebenso die Virago genannten Matten. Einen sehr wichtigen Jndustrieartikel bilden die schon öfter genannteil Nindenschachteln (linäo), zu denen die Rinde des Myombobanmes ver­arbeitet wird. Nach der Regenzeit, zur Zeit der Maisreife, wenn der Saft im Baume aufsteigt, werden mit der Axt zwei Kreisschnitte in die Rinde gemacht und diese durch einen Längsschnitt verbunden; dann läßt sich das dazwischen liegende Stück Rinde, ein Zylindermantel, leicht ab­lösen und nach Hause schaffen. Dort wird es von der groben Außen- rinde befreit, geknetet und, wenn zu trocken, mit Wasser befeuchtet. Die Rinden des ursprünglichen Längsschnittes werden nun mit einem kleinen Eisen durchlöchert und mit Baststreifen, die demselben Baume entnommen sind, zusammengeheftet. Endlich näht man dein so entstandenen Zylinder ein kreisrundes Baststück als Boden an. Der schmale Schachteldeckel wird auf entsprechende Weise hergestellt. Zur Verschönerung und um das Material zu dichten, bemalt man das Ganze mit roter, aus einem Mssansa" genannten Baume hergestellten Farbe und verziert es schließ­lich wie die Tongefäße mit schwarzen Mustern aus Linien und Drei­ecken, die mit Hilfe einer Hühnerfeder aufgemalt werden. Derartige Lindo, die von wenigen Zentimetern bis zu einem Meter Durchmesser her-

*) Dr. F. Stuhlmann:Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika", S. 79.