I. Deutsch-Ostafrika.
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gebildete Kriegsschmuck allgemein getrageu wird. Dies ist jedoch keineswegs der Fall. Ich habe auf dieser und auf meinen früheren Reisen öfter Massai am Kriegspfade gesehen, aber nicht einen einzigen im vollen Kriegsschmuck. Einer oder der andere — voll 100 Kriegern etwa ein. Dutzend — trugen den bekannten Federschmuck aus Straußfedern, der das Gesicht einrahmt, die übrigen ^zogen in gewöhnlicher Tracht ins Feld und bemalten sich höchstens mit weißem Mergel an den Beinen.
Körperbemalung ist überhaupt allgemein üblich und wird mit Fett und roter Lehmfarbe ausgeführt. Eine Körperreinlichkeit kennen die Massai nicht. Mein ältester Ninderhirt, ein weißhaariger Elmoruo, gestand mir ein, daß er sich im Leben noch nie gewaschen habe. Deshalb wimmeln denn auch die Haare, Lederkleider, ja selbst der Eisenschmnck der Weiber von Ungeziefer.
Nahrung der Konde. i)
In bezug auf das tägliche Leben und die tägliche Nahrung ist zunächst hervorzuheben, daß die Leute im Gegensatz zu den Sulnstämmen Fleischnahrnng nicht nur wenig genießen, sondern auch wenig schätzen. Sie sind Vegetarier zu nennen, denn sie leben fast ganz von Milch und Pflanzenkost. Gegner des Fleischgenusses werden geneigt sein, die größere Milde des Volkscharakters hierauf zurückzuführen. Die Milch wird meist sauer genossen; da sie immer 'in Bestände von saurer Milch oder in durchsäuerte Gefäße eingemolken wird, so gerinnt sie sofort. Diese Milch und Hülsenfrüchte, die als Erbsen und Bohnen in mehreren Arten fast täglich genossen werden, geben dem Nahrnngsguantum hinreichenden Gehalt an Eiweis und Fett, so daß der Genuß von Fleisch leicht entbehrt werden kann. Daneben sind tägliche Nahrung die Bananen. Die gemeine Banane wird halbreif geröstet 'gegessen, sie ist das tägliche Brot, daneben liebt man Brei aus Bananenmehl, weniger solchen aus Sorghum und Mais. Vom Mais ißt man am liebsten die Körner des unreifen Kolbens. Halbreife Bananen und einige Baumfrüchte dürfen nur Männer essen, andere Früchte wieder nur Weiber, auch für Kinder bestehen gewisse Nahrungsverbote. Bier trinken die Männer, aber es wird schwach gebraut und mäßig getrunken; man sieht betrunkene Leute nicht, und wüste Trinkgelage fehlen ganz. An anderen Feldfrüchteu, an Baum- früchten und besonders den köstlichen Bananen ist Überfluß, so daß an Nahrungsmitteln im Lande kein Mangel ist.
Wie wenig das Volk nach Fleischnahrung begierig ist, geht daraus hervor, daß man selbst das Fleisch der Ziege verschmäht. Der Volksglaube will, daß sein Genuß Krankheit bringt. Erst jetzt bequemt man sich zum Genuß des Ziegenfleisches um des Beispiels der Araber und
i) Merensky: „Deutsche Arbeit am Nyassa", S. 151/152.