I. Deutsch-Ostafrika.
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um Haupteslänge überragte und deren Einflüssen und Befehlen sie willenlos gehorchten. Was sie eigentlich trieben und noch treiben, ist schwer Zu sagen: so viel ist sicher, daß sie niemals etwas gearbeitet haben.
Außer einigen armen Leuten, die sich als Krämer durchgingen, sind fast alle Farmbesitzer, welche mit Hilfe eines Arbeitermaterials von Sklaven das Land bebauen und daneben auch Handel treiben. An den Karawanen nach dem Innern beteiligen sie sich hier wenig. Alle sind natürlich strenge, doch keineswegs fanatische Mohammedaner und gehören zur Sekte der Jbaditen, die von den übrigen Moslim, besonders den Sunniten, für sehr ketzerisch gehalten werden. Das mächtige Kulturwerk bezweifeln zu wollen, welches die Araber in Ostafrika verrichtet, wäre völlig müßig. Man braucht nur 'zu vergleichen, was die Europäer mit ihren Jahrhunderte alten, zahlreichen Niederlassungen in Westafrika den Eingeborenen gegenüber erzielt, oder vielmehr 'nicht erzielt haben, um zur volleil Erkenntnis der arabischen Leistungen im Osten geführt zu werden.
Die Massai.
Das weite Massai-Land, welches früher der ungeheure Weideplatz der Massai-Herden war, ist jetzt in verschiedene Distrikte wie Kiwaya, Simangiro, Mutyek usw. geteilt, deren jeder ein bestimmtes Schildwappen führt, an dem sich die Krieger erkennen. Innerhalb der einzelnen Distrikte sind stets fast alle Massai-Stämme vertreten, die als mehr oder weniger vornehm gelten und wahrscheinlich noch aus der unbekannten Urheimat der Massai stammen. So gibt es überall Vertreter der Stämme Mulcilyan, Leisseri, Leitoyo, Mamasita, Magesen, Marumwai, Lugu- mai, Maguveria und des Schmiedestammes der Elkonono, die ebenfalls Massai sind, aber von den anderen verachtet werden.
Die Massai sind meist hochgewachsen, schlank und langbeinig. Ihre Körperformeu sind selten voll, sondern auch bei Männern vielfach zart und weibisch, doch oft von großer Schönheit. Dennoch besitzen sie bedeutende Muskelkraft und Ausdauer. Die Extremitäten sind zierlich und schmal, die Haut ist meist dunkler als schokoladenbraun und erstaunlich weich und sammetartig. Der Gesichtstypus variiert sehr. In Sogonoi und Kiwaya, also im Steppengebiet, findet man oft negerhafte Züge, hier treten auch vollere Körperformen auf. Fast rein hamitisch sehen die Plateau-Massai, also die von Mutyek und Serengeti aus. Dieselben haben regelmäßige Züge, schmale Nasen und glänzende, schwarze Augen, die manchmal leicht schiefgestellt sind. Im Alter werden die Züge hart und oft adlerartig scharf. Häufig trifft man sogenanntes Hamiten-Haar. Wenn der Kopf frisch rasiert ist, so erscheint das nachwachsende schwarze Haar bis zur Länge von ca. 1 ero völlig glatt und bekommt dann erst
Z Baumann: „Massailand", S. 158.