I. Dcutsch-Ostafrika.
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streut. Besonders wenn diese in Blüte stehen und einen feinen Duft durch die Schambas verbreiten, kann man sich nichts Schöneres denken als diese tropischen Parkanlagen. Wo das Land nicht bebaut ist, bedecken es niedrige, stachelige Gesträuche und zahllose vielverästelte Dumpalmen. Manchmal ragt auch, einer riesigen antiken Säule gleichend, die breitstämmige Hyphäne zu bedeutender Höhe aus, oder erhebt sich ein mächtiger, abenteuerlich geformter, meist laubloser Baobab. Letzterer Baum ist ebenso wie die hochstämmige Tamarinde mit ihren angenehm säuerlichen Früchten in den Schambas, ja in den Dörfern selbst sehr häufig, und Namen, wie „Mikwajuni" (bei den Tamarinden) oder „Mabuyuni" (bei den Baobabs) sind an der Tangaküste gemein. Die Dumpalmenstriche bieten den beliebten Aufenthaltsort großer Affen, die sich von den roten, auch für Menschen genießbaren Früchten dieser Pflanze nähren und bei jedem Geräusch plump, aber erstaunlich schnell in kurzen Sprüngen davoneilen.
Die Wahehe. i)
Die Wahehe 2) bilden heutzutage einen sehr kopfreichen Stamm, so daß die Bevölkerung des Landes für afrikanische Verhältnisse sehr dicht genannt werden muß. Sie bewohnen die schon sehr oft beschriebenen Tembe, deren flache, erdbeworfene Dächer in der Regenzeit nur schlechten Schutz gewähren. Die Tembe sind oft von ganz enormer Ausdehnung. So fand Giraud die Tembe des Häuptlings Mkuanika von einer Boma umgeben, welche im Viereck errichtet war mit einer Seitenlänge von 500 m und innerhalb dieser enormen Befestigung, welche übrigens stellenweise schadhaft war, 25—30 Tembe, darunter eine von 150 m Länge. Ein Bach floß durch die Anlage hindurch, welcher zweimal überbrückt war.
Die Wahehe sind der Hauptsache nach Viehzüchter. Ihre Hauptnahrung ist Milch, welche die Männer selbst melken. Es ist dies ihre einzige Beschäftigung im Haushalt. Die Milch wird nie gekocht, sondern nur frisch oder als saure Milch genossen; Butter verstehen die Wahehe nicht herzustellen. Für den Fremden ist es außerordentlich schwierig, Milch bei ihnen zu kaufen. Die Rinder, der Buckelklasse angehörig, werdeu während der Nacht in der Tembe untergebracht. Wie bei allen viehzuchttreibenden Stämmen spielt das Rind die Hauptsache im Leben der Wahehe, wird aber nicht so hoch geschätzt wie bei den Massai. Der Mhehe entschließt sich übrigens nur sehr schwer dazu, ein Rind zu schlachten, trotzdem er ein leidenschaftlicher Verehrer von Fleisch ist. Nur alle nicht mehr milchenden Kühe oder kranke Tiere werden geschlachtet, in dem man sie mit Lanzenstichen tötet. Dagegen stillen sie
*) Reichard: „Deutsche Kolonialzeitung 1891", S. 162.
2) Mehrzahl: Wahehe. Einzahl: Mhehe.