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Die afrikanischen Schutzgebiete.
südlich vom Malombesee den Schire quer durchsetzt. Oberhalb dieser Barre ist die Stromgeschwindigkeit des Flusses sehr gering, und dadurch erklärt sich auch das nicht zu leugnende Verschlammen des Malombe- sees, welches aber keineswegs als Beweis für ein Fallen des Wasserspiegels des großen Sees gedeutet werden darf.
Die Küsten des Sees sind im Südosten und Westen wenig anmutig. Kahle, wüste Felsgebirge treten hier und da nah an die Wasserfläche heran, sind aber manchmal von dieser auch durch vorgelagertes Sumpf- land getrennt. Der Boden ist hier wenig fruchtbar, oft ausgesprochen sandig. Alt Flüssen und Flüßchen ist an diesen Küsten ein auffallender Mangel. Unendlich schöner und fruchtbarer ist das nordöstlich und nördlich vorn See gelegene Land, also das Land, welches unser in der Ferne ersehntes Ziel war.
Küsten-Vegetation.
Überall wo das flache Land in größerer Breite bis an die See. reicht, zeigt es sich von weitem als dunkle einförmige Waldmauer. Es ist dort dicht mit Mangroven, jenen glänzendblätterigen Rizophoren bedeckt, die in allen Tropenländern die Flußmündungen erfüllen und durch ihr amphibisches Dasein, sowie das Wurzelgewirre, das sie selbst von den höchsten Zweigen in den schlammigen, zur Flutzeit von der See bespülten Boden senken, ein abenteuerliches Aussehen gewinnen. Die Mangroven an der Tangaküste erreichen keine besondere Höhe. Unter dem dichten Schatten ihres Laubes treiben Krabben und andere Seetiere am Boden ihr Spiel, und im Geäste leben zahlreiche kleine Affen und lichtscheue Lemuren. Die Mangroven sind hier übrigens keineswegs an die brackigen Flußmündungen gebunden, sondern erfüllen ebenso massenhaft die Striche an der Bucht von Muoa und am Kigirini-Kanal, wo niemals ein Tropfen Süßwasser hingelangt. Wo sich, wie bei Wanga und Pagani, ein größerer flacher Streifen hinter dem Strande ausdehnt, ist dieser zum großen Teile mit den Feldern und Palmgärten der Eingeborenen bedeckt. Wie weit mehr kommen diese jedoch zur Geltung, wo sie, wie das gewöhnlich- der Fall ist, sich auf der Höhe der Uferrampe ausdehnen. Besonders wo diese bis knapp an die Küste heranreicht, bietet sie mit ihren malerischen, von tropischer Vegetation bedeckten Steilabfällen, gekrönt von den weiten Kokoshainen, einen prächtigen Anblick. Der Boden dieser „Schambas" (Landgüter) ist vorherrschend ebenfalls sandig, gedeiht doch die königliche Kokospalme am liebsten auf salzigem Seesandgrunde, vielfach sind aber auch Schollen braunroten Lehmbodens eingelagert, die hauptsächlich den Feldfrüchten ein günstiges Terrain bieten. Zwischen den Palmen sind hohe, dunkellaubige Mangos mit ihren riesigen Kronen ver-
i) Baumann: „Usambara", S. 19—20.