I. Deutsch-Ostafrika.
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Der Njassasee. *)
Der Njassasee ist 400 üm lang, und seine Breite beträgt da, wo sie am größten ist, ca. 70 1cm. Seine Wasserfläche bedeckt -ca. 27 000 y1cm und liegt 480 m über dem Meeresniveau. Herrlich ist die blaue Färbung und die durchsichtige Klarheit des Wassers, das auch gesund und angenehm von Geschmack ist. An der äußersten Südspitze liegt vor dem Ausfluß eine Barre, auf der bei seichtem Wasserstande sich nur etwa vier Fuß Tiefe findet, weiterhin aber nimmt die Tiefe des Gees ganz bedeutend zu. Bei Kap Maclear hat man bei 200 Faden noch keinen Grund gefunden. Im Norden ist der See weit flacher; ausgedehnte Sandbänke sind dem nördlichen und nordöstlichen Ufer vorgelagert, was sich daraus erklärt, daß hier von sechs Strömen dem See Massen voll Sand und Geröll zugeführt werden. Der See ist fischreich, so daß es an seinen Ufern nicht an Fischerdörfern fehlt. Krokodile sieht man selten, sie lieben es nicht, sich in so Hellem, klarem Wasser aufzuhalten, da es ihnen in solchem schwer wird, Bente zu machen; Tiere und Menschen erspähen hier zu leicht den Feind. Wo sich Sümpfe gn den Ufern finden, Hausen zahlreiche Nilpferde.
Große Aufmerksamkeit habe ich auf Entscheidung der Frage verwendet, ob der Wasserstand des Sees im Abnehmen begriffen ist, und Lin Zu der Überzeugung gekommen, daß er seit Jahrtausenden sich unverändert uns seiner jetzigen Höhe erhalten hat. Freilich steigt er jährlich in her Regenzeit, bis er etwa im April und Mai seinen höchsten Stand erreicht, ,um dann wieder vom Juni an zu fallen. Im November und Dezember ist er am niedrigsten. Der Unterschied zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wasserstand beträgt 1 m. Daß aber der Wasserstand im großeil und ganzen seit undenklichen Zeiten derselbe geblieben ist, beweisen die Wasserzeichen, welche ich an den Felsen der Monkey-Bai deutlich eingeschnitten fand. Im August befand sich die höchste Wasserlinie 2 Fuß 4^2 Zoll über dem damaligen niedrigen Wasserstand. Weiter fanden sich die ungeheuren Adansonien von 3—5 m. Durchmesser dicht am Seeufer in Mponda-, Livingstonia- und Leopards-Bai, nur 2 oder 3 ru über der Linie des damaligen Nieder-Wasserstandes. Adanson hat das Alter eines solchen Baumes von der angegebenen Stärke auf 5000 Jahre berechnet. Somit wäre bewiesen, daß vor Jahrtausenden der Spiegel des Sees jedenfalls nicht auch nur 2 in höher gestanden hat als heute; denn der genannte Baum gedeiht nur auf trockenem Land, er bietet also zur Beurteilung, ob man Neuland vor sich habe oder nicht, in Afrika eillen ausgezeichneten Anhalt. Den Grund für solche Stetigkeit des Wasserstandes bei diesem See ist in dem Vorhandensein einer Granitbank zu suchen, welche in einer Mächtigkeit von 2300 m etwa 45 ürn
Z Mereusky: „Deutsche Arbeit am Njassa", S. 79 bis 80.