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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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Die afrikanischen Schutzgebiete.

der Westen, wo wir das erste Mal angriffen, die stärkste Seite der Boma bildete. Als von der ersten Kompagnie die Meldung geschickt wurde, daß von der linken Flanke ein Weg nach der Boma führte, sandte mich der Major dahin, um nach Hinzutritt der Kompagnie End zu meinem Bataillon mit diesem den Sturm zu unternehmen. Bis zu meinem Ein­treffen an der Boma, das ich möglichst gedeckt bewerkstelligen sollte,

wollte er das gesamte Feuer der Artillerie und des Zelewskischen Batail­lons gegen die Gegner richten, um sie noch im letzten Augenblick soviel

als möglich zu erschüttern und uns so den Sturm zu erleichtern. In

dem Moment, wo ich an die Boma so nahe herangekommen wäre,

daß ich mit dem Bajonett vorzugehen beabsichtigte, sollte ich durch dreimaliges Schwenken der vorangetragenen Fahne ihm ein Zeichen geben, daß das Feuer einzustellen sei, sollte ich die deutsche Flagge an den Pallisaden aufpflanzen.

Alles geschah wie verabredet. Wir gingen gedeckt im Grunde vor, bis wir 30 Schritt vor der Boma auftauchten und das Signal mit der Flagge gaben. Aus der Boma wurden wir mit einem anhaltenden Schnellfeuer empfangen, das mehrere Verwundungen herbeiführte, und zwar, da die Gegner diesmal zu tief schössen, nur Beinverwundungen. Ein Sudanese z. B. hatte vier Schüsse durch seine Beine. Nachdem wir noch eine Salve in die Boma geschossen hatten, ging es mit .Hurra vor­wärts, worauf wir zunächst ebenfalls ein höhnisches Hurra aus der Boma zurückerhielten. Es gelang jedoch, an verschiedenen Stellen Bresche zu reißen und in die Boma einzudringen, voran die zu meinem Stäbe als Ordonnanz-Offiziere gehörenden Herren (Jahnke und v. Eltz) mit mir und die Europäer der unter uns rühmlichst bekannten Kompagnie End, gleich daraus Jllich mit den Askari und die anderen Kompagnien.

Es war die härteste Arbeit, die bisher jemals bei der Einnahme einer feindlichen Stellung von den Truppen geleistet war. Bei unserem Eindringen flohen aber die letzten Gegner aus der Boma ins Dickicht der Umgebung.

Besteigung des Mawensigipfels des Kilimandjaro. *)

So ging es 3^2 Stunden lang auf allen vieren aufwärts, bald mehr links, bald mehr rechts, bald über zwei Hände breite Simse Platt auf dem Bauch, bald mit gespreizten Knien und Ellbogen in einem Kamin senkrecht hinauf. Unsere ganze aufs höchste gespannte Aufmerk­samkeit galt nur den Lavafelsen über uns; Kibo und Plateau und Ebene waren völlig vergessen.

Gegen 11 Uhr standen wir dem Grat nahe. Etwa 10 rn unter ihm sah ich plötzlich durch eine Spalte den blauen Himmel von der anderen

Z H. Meyer:Ostafrikanische Gletscherfahrten", S. 147149.