I. Deutsch-Ostafrika.
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konnten, unseren Empfindungen Ausdruck zu verleihen, unterbrach plötzlich der Wassukuma-Träger Pesa das Schweigen mit den geflügelten Worten: „Herr, nun gibt es aber doch ein großes Trinkgeld?" Wir straften den Sprecher mit einem Blick der Verachtung, waren aber nun unsererseits so weit ernüchtert, daß wir Betrachtungen über die Art und Größe des Kraterkessels anstellen konnten. Bald einigten wir uns in der Meinung, daß wir einen erkalteten Lavasee vor uns hatten, unter dessen Kruste die lebendige vulkanische Tätigkeit noch fortdauert. Auf den Wasserdämpfen, die aus dem einen der beiden Schächte hervorströmten, schien ein roter Glutschimmer zu liegen. Wenn der Wind uns den Dampf gerade ins Gesicht trieb, so war von Schwefelgeruch so gut wie nichts zu bemerken, doch sind die verschiedenen gelben und rosigen Farbenschattierungen, die dem Boden und den Wänden der Kraterarena ein so malerisches Aussehen verleihen, sicherlich Folgen schwefelhaltiger Exhalationen.
Die Tiefe bis hinab zu der Decke des ehemaligen Lavasees suchten wir annähernd aus dein Schall hinabgeworfener Gesteinsstücke zu ermitteln und fanden die Zahl 200—300 m.
Beim Sultan Msinga von Ruanda.
Die gespannte Aufmerksamkeit, mit welcher die Bewohner von Niansa uns beobachten, hatte aber auch noch einen besonderen Grund. Denn die ungeheuren Mengen Lebensmittel, die großen Herden von Vieh, die als Geschenk des Sultans hier aufgestapelt lagen, nicht zum wenigsten die Änwesenheit des Residenten von Grawert selbst, der in voller Uniform uns einholte, hatten die Vorstellung ganz besonderer: Machtentfaltung, die sich hauptsächlich um meine Person drehte, in der Phantasie der Leute erweckt. Erzählungen unglaublichster Art schwirrten in der Luft umher und bildeten das Gesprächsthema.
„Der große Stier kommt mit seinen Kälbern", flog es von Kuppe zu Kuppe, „er hat vier Arme und sechs Beine", womit weniger ein Porträt meiner Persönlichkeit gezeichnet, als vielmehr, der Denkungs- art des Hirtenvolkes entsprechend, meine Macht und Stärke angedeutet werden sollte.
Auf einem weiten Platz unweit der Sultanhütte, der dank Hauptmann von Grawerts Bemühungen vortrefflich vorbereitet worden war, wurde diesmal das Lager mit ganz besonderer Sorgfalt hergerichtet. Denn wir erwarteten den Besuch des „Mami".
i) Aus dem vortrefflichen Werke: Adolf Friedrich, Herzog zu Mecklenburg: „Ins innerste Afrika." S. 106—113. Mit gütiger Erlaubnis des Verlages von P. E. Lindner, Leipzig.
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