I. Teutsch-Ostafrika.
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würden. Zur Erleichterung der Gemüter wurde Kaffee verabreicht, deu auch Muini-Sagara kostete. Nach eindringlichem Palaver/) in welchen! gewiß das Messer eine große Rolle spielte, erklärte sich Muini-Sagara bereit, einen Vertrag zu unterzeichnen. Die Zeremonie ging ohne jede Feierlichkeit vor sich. Muini-Sagara machte ein Kreuz unter den von! Dolmetscher übersetzten Vertrag, dann unterzeichneten die höchsten Ratgeber, dann Kibana, am nächsten Tage ein anderer Sohn des Muini- Sagara, namens „Masengu", der von seinem entfernten Wohnsitz herbeigekommen war, die Weißen zu sehen. Am Tage nach unserer Ankunft lag der erforderliche Vertrag fertig vor uusj und die Gesellschaft für deutsche Kolonisation war Herrscherin, in^ Usagarg^
Durch den Urwald am Kirunga. ?)
Un! 1/28 Uhr begann langsam der Anstieg. Vorher schickten wir unsere Maulesel, denen das Klettern durch die Lavaspalten viele Mühe machte, mit den Somali zurück und betraten alsbald dichtes Gestrüpp, das sich, je weiter wir vordrangen, immer mehr zum eng verwachsensten, lianenbehangenen Urwald entwickelte. Bald umgab uns völlige Dunkelheit.
Mit einem Male hörte der Pfad auf, und gleichzeitig waren auch schon unsere Führer, einen unbeachteten Moment benutzend, im dichten Busch verschwunden.
Nun begann ein mühsames, schrittweises Vorwärtsarbeiten mit Axt und Messer. Aber ich merkte bald, daß es ganz unmöglich sei, die Einsattelung, die den Hauptkraterkegel von einem nach Süden vorgelagerten und bedeutend niedrigeren Nebenkrater trennte, noch vor Einbruch der Nacht zu erreichen. Wäre uns das gelungen, so hätten wir auf halber Höhe lagern können, und es wäre Aussicht vorhanden gewesen, am folgenden Tage bis zum Gipfel zu gelangen. So aber steckten wir mitten im undurchdringlichsten Wald und waren genötigt, uns erst einen Platz freizumachen, auf dem wir die Zelte aufschlagen konnten. Nachdem das geschehen war, legten wir uns um 9 Uhr zur Ruhe nieder.
Am nächsten Tage ließen wir die Zelte und Träger zurück und arbeiteten uns zunächst mit den drei Askari weiter. Unsere Jagdmesser bewährten sich dabei vorzüglich, noch besser aber die Seitengewehre^
1) d. h. Beratung, Unterhandlung, vom portugiesischen palabra (Wort) Palaver ist sonst nur in Westafrika gebräuchlich; die Suahili sagen „Schauri". (Siehe unten.)
2 ) Graf Goetzen: „Durch Afrika von Ost nach West", S. 193—194, 203—208, 208—213.
3) Es waren dies die kurzen, vor einigen Jahren in der deutschen Armee eingeführten, bald aber wieder abgeschafften Seitengewehre, mit denen die Leute am liebsten zu arbeiten pflegten, und mit denen sie Bäume schneller fällten, als mit Äxten.