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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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I. Deutsch-Ostafrika.

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.Handwerkerschulen (für Tischler, Buchdrucker, Buchbinder, Schmiede, Schlosser, Drechsler) und Hinterlandschulen verbunden. Für die Ver­breitung des Evangeliums sind neun evangelische und drei katholische Missionsgesellschaften tätig.

d) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher

Die erste Expedition der Gesellschaft für deutsche Kolonisation nach

Ostafrika.

Am Morgen ging der Marsch wieder am Flusse entlang, bei Stanleys 'FreundKadetamare" vorbei, dessen Dorf, das schönstgelegene im ganzen 'Mukondogwa-Tal, von riesigen Baobab beschattet, den Gipfel eines steilen Hügels krönt. Wir überschritten den seichten Fluß. Zackig und steil ragt ein dicht bewaldeter hoher Berg vor uns empor, bis zu dessen -Fuß sich eine Ebene erstreckte, welche anscheinend bis auf den letztem Quadratzoll bebaut war. In ihrer Mitte und in Mitte der Anpflanzungen erhob sich ein Dorf von etwa 20 Hütten. Es war Muini-Sagara. Durch unaufhörliche Gewehrsalven grüßend betrat unsere Karawane das Dorf. Das Geschieße scheint eine unausrottbare Mode unter den Leuten zu sein; jedes Verbot bleibt unbeachtet; geschossen wird doch. Ein junger Schwarzer in auffallend reinlicher Kleidung empfing uns. Er trug ein weißes Unterkleid arabischen Schnittes, karrierten Überwurf lind weiße 'Mütze ohne Rand. Ein Hans, welches wir während unseres Aufent­haltes hier bewohnen sollten, wurde uns angewiesen und mitgeteilt, daß der junge SchwarzeKibana", der Sohn des Muini-Sagara, sei. Muini- Sagara ist kein Name, sondern ein Titel und heißt wörtlich übersetzt: Eigentümer von Sagara. Der Wohnsitz desEigentümers" wird nach ihm benannt, und zöge heute z. B. der Häuptling in ein anderes Dorf, so würde dieses den Namen Muini-Sagara erhalten. Als wir ein wenig geruht hatten, erkundigte sich Kibana nach Ziel und Zweck unserer Reise und erbot sich, sofort seinen Vater zu benachrichtigen, als er hörte, daß diesem hauptsächlich unser Kommen galt. Nun wurden die für diesen bestimmten Geschenke hervorgeholt. Goldgestickte arabische Gewandung, Unterkleid, bunter Turban und rote Weste funkelten neben nagelneuen Maskatzeugen reichsten und geschmacklosesten Musters; Glasperlen ver­schiedenster Art vervollständigten die Gabe. Auch des Sohnes wurde gedacht, seinen nicht unerheblich scheinenden Einfluß oder doch jedenfalls seinen guten Willen für uns zu gewinnen; ein ähnliches, wenn auch nicht ganz so reichliches Geschenk wurde für ihn auserlesen. Jetzt wurde Muini-Sagara angemeldet. Ich war neugierig auf sein Äußeres, denn erstens war er uns als ein mächtiger Häuptling geschildert worden,

Z I. Graf Pfeil:Allgem. Konserv. Monatsschrift", 1887, S. 623624.