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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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I. Deutsch-Ostafrika.

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unter Seuchen. Ziegen und Hühner, auch Schafe werden überall ge­halten. Bienenzucht ist bei vielen Stämmen eingebürgert. Wachs ein erheblicher Ausfuhrartikel.

Der Bergbau ist unbedeutend. Gewonnen wird bereits Gold in der Wemberesteppe bei Sekenke (1910 : 374 1 Mill. M), ferner

Glimmer im Ulugurugebirge, sowie Salz in der Saline Gottorv und von den Eingeborenen etwas Eisen. Nachgewiesen ist außerdem das Vorkommen von Kohle, Granaten, Graphit und Malachit. Im Muansa- bezirk sind weitere Goldbergwerke im Entstehen.

Das Handwerk liegt in den Küstenstädten meist in den Händen der Inder. Jetzt wandern auch europäische Handwerker ein. Eines besonderen Rufes als Schmiede genießen die Wadjagga am Kiliman- djaro. Sonst ist der Gewerbebetrieb gering und beschränkt sich aus Töpferei, Holzschnitzerei, Flechterei. In Bukoba ist der Anbau und die Verarbeitung von Panamastroh geglückt.

Handel und Verkehr.

An der Küste lag vor nicht zu langer Zeit der Handel ganz in den Händen indischer Großkaufleute, die in Sansibar ansässig sind. Von ihnen entnahmen die kleineren Händler in den Küstenorten ihren Bedarf. Jetzt sind deutsche Firmen an die Stelle jener Großhändler getreten.

Eingeführt werden Baumwollwaren, Reis, Weizen, Mehl, Hülsen- srüchte, Kartoffeln, Obst, Konserven, Wein, Bier, Branntwein, Zucker, Tabak, Fische, Sämereien, Nutzholz, Zement, Salz, Steinkohlen, Petro­leum, Seife, Eisen, Eisenwaren, Maschinen. Hauptausfuhrartikel siud Sisalhanf, Kopra, Bauholz, Gerbhölzer uud -rinden, Häute uud Felle, Erdnüsse, Sesam, Negerhirse, Kaffee, Rohbaumwolle, Kakao, Wachs, Elfenbein, Kautschuk, Kopal, Glimmer, Matten. Im Jahre 1911 stand einer Gesamteinfuhr von 45,9 Mill. -M eine Ausfuhr von 34,5 Mill. -M gegenüber. Die Einfuhr hat sich seit den letzten vier Jahren fast ver­doppelt, die Ausfuhr fast verdreifacht.

Und doch würde sich der Gesamthandel noch mehr erhöht haben, wenn sich nicht immer noch der Mangel an geeigneten Verkehrsmitteln geltend machte. Die englische Ugandabahn verfrachtete im Jcchre 1910 noch mehr Güter aus unserer als aus der eigenen Kolonie. Glücklicherweise wird jetzt der Bahnbau in Deutsch-Ostafrika rascher betrieben. Die Zeutralbahu von Daressalam über Morogoro, Mpapua, Kilimatiude ist bereits bis Tabora in Betrieb, wird Anfang 1914 bei Kigoina den Tanganikasee erreichen und wird dann 1260,5 üm lang sein. Sie wird erst zu voller Bedeutung kommen, wenn sie eine Zweigbahn nach dem Viktoriasee entsenden und so sich an die Nordbahn anschließen