I. Deutsch-Ostafrika.
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Auf dem Hochlande sind Wassermangel und Bodenbeschaffenheit gleich widrig. Weite Strecken find von Laterit überlagert, in welchem das Wasser schnell einsickert. Grundwasser fehlt. Nur hin und wieder findet sich eine vorteilhafte Erddecke, wie z. B. Tonerde auf dem Masai- hochlande. Der Pflanzenwuchs ist daher dürftig. Hohes, in getrennten Büscheln sprießendes Gras überwiegt, untermischt mit Dornbusch und anderem Gestrüpp. Hier und da sind Aloes und riesige Euphorbien verstreut. Sind die Verhältnisse günstiger, so entwickelt sich auf dieser Steppe ein schwacher Waldbestand, meist von Akazien- und Mimosen- arten, dessen einzelne Stämme aber in weiter Entfernung voneinander stehen und selten nur enger zu einer Art Parklandschaft zusammenrücken.
Dies wenig erfreuliche Bild wird mit einem Schlage verändert, wo ein ausdauernder Fluß das Ufergelände befruchtet. Hier bilden sich üppige Wiesen und oft nicht unansehnliche Galeriewälder.
Die Tierwelt ist in der Hauptsache eine Steppenfauna. Antilopen aller Art, Zebras, Giraffen, Büffel, Strauße durchstreifen die Hochebene. Hyäne und Schakal schleichen heimtückisch umher; schwerfällig trottet das Nashorn seinen Weg. Leopard und Löwe sind trotz der auf sie gesetzten Schußpr^mie^ noch zahlreich, während die Elefanten immer seltener werden. In den Pflanzungen verursachen Wildschweine, Hundsaffen, Wühlratten, am Viktoriasee auch Stachelschweine und in den Getreidefeldern finkenartige Vögel großen Schaden. Die Flüsse und Seen beherbergen neben vielen Fischarten auch Krokodile und Flußpferde und sind die Tummelplätze zahlreicher Wasservögel. Die Anopheles, die Trägerin der Malaria, ist weit verbreitet. Die den Haustieren so verderbliche Tsetsefliege findet sich nur strichweise, die Schlafkrankheitsfliege nur im Seengebiet; dagegen ist die gefräßige Termite häufig genug, und die Heuschreckenplage hat nicht selten schon .Hungersnot im Gefolge gehabt.
Bevölkerung.
Die Bevölkernngszahl kann bisher nur oberflächlich geschätzt werden. Die Schätzungen schwanken zwischen 6 und 9 Millionen. Dichter bevölkert sind die Küste, das Randgebirge, das Kulturland am Kili- mandjaro und Meru und Ruanda. Infolge Aufhören der Stammesfehden, Durchführung hygienischer Maßnahmen ist die Zahl überall im Steigen begriffen, namentlich an der Küste und an der Bahnlinie. Die Hauptmasse der Bevölkerung besteht aus Bantunegern, d. h. Angehörigen jener großen Sprachen- und Völkerfamilie, die den afrikanischen Kontinent vom 5° nördlicher bis zum 25° südlicher Breite besetzt hält. Sie zerfallen in mehrere Gruppen und Untergruppen, welche sich aus zahlreichen Stämmen zusammensetzen. Neben diesen finden