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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel.
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I. Deutsch-Ostafrika.

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nern auch fernerhin sowohl in Uganda als auch an der Jubaküste und weiter nördlich Versuche gemacht worden, für Deutschland festen Fuß zu fassen. Auch das Witnland, nicht fern von dem nördlichsten Punkte der Küste des jetzigen deutschen Gebietes, .stand bereits seit langer Zeit ganz unter dem Einflüsse deutscher Unternehmer. Am 1. Juli 1890 kam indessen zwischen Deutschland und England, dessen Eifersucht er­regt war, ein Vertrag zustande, in welchem die Grenzen des Schutz­gebietes in ihrer heutigen Ausdehnung festgelegt wurden. Auch Sansibar fiel deni englischen Einflußgebiete zu. Dagegen erwarb Deutschland bei diesem Anlaß bekanntlich die Insel Helgoland.

Aul 1. Januar 1891 übernahm das Reich die Hoheitsrechte der Ge­sellschaft und damit die gesamte Verwaltung der neugeschaffenen Kolonie.

Bodengestalt. Bewässerung.

Die Oberfläche des ostafrikanischen Schutzgebietes ist sehr einfach gestaltet. Fast das ganze Gebiet wird von einem mächtigen, meist aus Granit, Gneis, Glimmerschiefer, Quarzit bestehenden Hochlande erfüllt, das im Norden ziemlich nahe an die Küste herantritt, nach Süden zu sich immer mehr ins Innere und zuletzt bis fast an den Njassasee zurück­zieht. Dies Hochland, das im Durchschnitt mindestens 1000 m Meeres­höhe hat, ist im allgemeinen eintönige Ebene mit zerstreuten flachen Hügeln und Kuppen ohne erhebliche Bergzüge und mit geringer Be­wässerung. Ein starker Erdriß, der zentralafrikanische Graben, durch die Seenreihe AlbertAlbert-EdwardKiwuTanganika bezeichnet,

trennt das Hochland Deutsch-Ostafrikas von dem des Belgischen Kongo. Ein zweiter Riß verläuft, schon vorn Jordantale und dem Roten Meere her das Gelände brechend, in der Richtung des Naiwascha-, des Natron-, des Manyara- und des Njassasees. Dies ist der ostafrikanische Graben. Von ihm gehen mehrere seitliche Bruchspalten nach Westen aus, z. B. der Wembäre-Graben mit dem Njarasasee und der Rukwagraben mit dem immer mehr eintrocknenden Rukwasee.

Bedeutende vulkanische Ergüsse haben die Sohle dieser Senkungs­felder und der Seitenspalten ebenso wie ihre Ränder nicht selten stark verändert und zur Bildung einzelner erheblicher Bergmassen geführt. Hierher gehören z. B. der K il i m a n d j a r o, ein erloschener Vulkan, in einer Seitenspalte des ostafrikanischen Grabens, dessen Basis eine Fläche bedeckt, die anderthalbmal so groß ist wie der Harz. Er ist der höchste Berg des afrikanischen Kontinents überhaupt. Die westliche, 6010 m hohe Spitze, der Kibo (d. i. der Helle, weil seiu Gipfel in die Region des ewigen Schnees hineinreicht), überragt die Mawensispitze noch um 655 m. Bis zu einer Höhe von 1700 m erstrecken sich allerlei Kulturen (vornehmlich Bananenpflanzungen); hieran schließt sich ein 11r-