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Der Glaube an <lie „äeutl^e Gekatzr" unä Lraliliens kviegsmaßnakrnen.
Der Krieg hat auch offenbart, daß die regierenden Kreise in Brasilien an die erlogene „deutsche Gefahr" glaubten, daß Deutschland die Absicht habe, zu passender Zeit die drei Südstaaten zu annektieren. Dieser Glaube und die daraus geborene Furcht, wie auch der damit verwandte Haß, waren wohl ausschlaggebend zum Anschluß an unsere Feinde. Nachdem erst klar wurde, daß viele Hunde des Hasen Tod sein werden, konnte man zur dauernden eigenen Beruhigung die letzte Hatz ungestraft mitmachen.
Wie sehr man dort an die zwar unwahrscheinliche, ja sogar unmögliche „deutsche Gefahr" glaubte, beweist auch die Art der Kriegsmaßnahmen, die Brasilien getroffen hat, die in allerlei gründlichen Sicherungen bestand, als: Entwaffnung der friedlichen Schützenvereine und Feuerwehren, Jnternierung deutscher Reserve-Offiziere, Belegung der deutschen Kolonien mit Militär, Ernstmachen mit der vorher nur auf dem Papier vorhandenen „Allgemeinen Wehrpflicht" und dauernde schärfste Bewachung der unendlich langen Küste durch Land- und Seestreitkräfte!
Schon der Umschwung anno 1902 hing mit dem Glauben an diese Gefahr zusammen. Sicherlich ist der ganze Gedanke ein Hirngespinst unserer Feinde. Aber er ist geglaubt worden; so nahm das Gespenst Wesen an und vergiftete die Stimmung.