Druckschrift 
Dona Francisca : 70 Jahre deutscher Kulturarbeit in Brasilien im Staate Santa Catharina / von Fritz Bühler
Seite
50
Einzelbild herunterladen
 

50

gewartet hatte, glaubte und griff mit Freuden zu. Die Sache machte Schule; bald gab es einige hundert solcher Falschpfarrer, die ihre Gemeinde durch einen Kontrakt auf Jahre gebunden hatten und die leider auch ihren Rückhalt fanden an allerlei einflußreichen unordentlichen Leuten. Da zogen sich die Stillen im Walde vom Gemeindeleben zurück, fielen aber ge­wöhnlich später irgendwelchen Sektierern in die Hand.

So ist der lutherische Kirchengarten zertreten und verdorben worden. Diese Falschpfarrer, deren es beim Kriegsausbruch in Rio Grande do Sul noch über drei Dutzend gab, wurden im Volksmund nurSchnaps­pfarrer" genannt. Sie haben das pfarramtliche An­sehen so untergraben, daß es später jahrelange Geduld kostete, bis das Amt wieder zu Achtung und Ehren kam. Ja, die Deutschen in Brasilien waren beispiel­los verlassen. Es mag bei andern Völkern ähnlich gelegen haben; aber keines kann unter diesen Ent­behrungen so gelitten haben wie unsere Drüber, die von Hause aus eine gute Pflege in Schule und Kirche gewohnt gewesen waren.

IX.

Der kirckenbsu unck cker ksmpk um ckie keiliglten Güter.

In der Kolonie Dona Francisca und am Stadt­platz Joinville stand es ja in diesen Dingen weit besser, obgleich auch alle obgenannten Wehen durchkostet wer-